Aufruf: Netzsperren umgehen?

Wie bekannt, will unsere Familienministerin mit aller Macht Netzsperren gegen Kinderpornos einrichten lassen.

Kampf gegen Kinderpornografie wichtig
Schon in den Anfängen des Internets habe ich mich selbst gegen Kinderpornografie im Netz engagiert, „Hacker gegen Kinderpornos“ oder „Netz gegen Kinderpornos“ waren die Initiativen welche das (mehr oder minder organisiert) schon getan habe bevor die Polizei ihre „Kompetenzzentren“ errichtet hat. Die Arbeit war auch recht erfolgreich, sehr viele Server verschwanden „durch Zufall“ 😉 vom Netz und tauchten auch nicht so schnell wieder auf.

Gestern
Mit der Kommerzialisierung des Internets Ende der 90iger Jahre traten dann auch die Ermittlungsbehörden ins Netz ein. Anfangs natürlich völlig ohne Plan, dann immer weiter professionalisiert. Die Mittel und Methoden, die sie dabei verwenden oder verwenden wollen, sind dabei aber mehr und mehr fraglich. Dabei trat bei vielen, die mit Ihrer Arbeit vorher viel Gutes getan hatten, ein Gefühl ein, die Polizei würde sich „schon darum kümmern“.  Dies drückt sich auch darin aus, dass die Heise-Aktion „Netz gegen Kinderporno“ für erfolgreich beendet erklärt wurde. Die Folge war das Einschlafen vieler, die sonst sehr erfolgreiche Arbeit getan hatten.

Heute
Dabei sind die Ermittlungsbehörden offenbar längst nicht so erfolgreich, wie viele dies vermuten würden. Auf der schwedischen und schweizerischen Sperrliste sind auch einige in Deutschland untergebrachte Server gelistet. Diese scheint es offenbar schon seit Jahren zu geben – und müssten den Behörden eigentlich bekannt sein.

Nun frage ich mich, wie es sein kann, dass bei einem einfachen Verdacht auf KiPo Wohnungen durchsucht, Material beschlagnahmt und Leute damit diffamiert werden. Ja sogar ihren Job und Familie verlieren. Aber in deutschen Rechenzentren laufen die Server weiter?

Morgen
Offenbar also zu blöd, die Server zu beschlagnahmen und ggf. sogar die Täter dahinter fest  zu nageln, wird jetzt versucht, Technologie zu benutzen um den Zugang zu kinder- oder jugendpornografischen Inhalten im Internet zu verhindern. Dabei weiss jeder, der sich mit Netzsperren auskennt, dass hier maximal ein „erschwerter Zugang“ ermöglicht aber nicht verhindert werden kann.

Sämtliche Netzsperren haben grundsätzliche Probleme wie:

  • sie laufen der Entwicklung immer hinterher
  • können einfach umgangen werden
  • geben einen Hinweis darauf, welche Seiten „extra Interessant“ sind
  • erschweren Ermittlungen (da die Zugriffsversuche keinen eigenen Straftatbestand darstellen können und die sperrenden Zugangsanbieter die Zugriff-Versuche nicht protokollieren dürfen)
  • werden erstellt durch Ermittlungsbehörden und nicht durch eine zweite Instanz (Richter o.ä.) kontrolliert.
  • technische Umsetzung relativ teuer und aufwändig

Übermorgen
Zu den Problemen oben kommt ein weiterer sehr wichtiger Punkt: Zensurmöglichkeit. Ist einmal die Infrastruktur für Netzsperren geschaffen, können dann mit einfachen Mitteln weitere Webseiten gesperrt werden. Vorstellbar wären anfangs Nazi-Webseiten, als nächster Schritt Urheberrechts-problematische Seiten / Dienste und schließlich gesellschaftskritische oder jugendgefährdende Angebote. Nach der Errichtung erster Netzsperren sehe ich schon den Buchhandel / Contentindustrie Netzsperren fordern. Wie diese Salami-Taktik funktioniert haben wir ja an den Maut-Erfassungssystemen auf den Autobahnen gesehen.

Gegen KiPo – aber trotzdem gegen Netzsperren
Aus den o.g. Gründen bin ich völlig gegen sämtliche Ansätze, das Internet zu zensieren. Natürlich muss KiPo auch im Netz bekämpft werden. aber ohne dieses Mittel. Doch genau diese differenzierte Sicht wird in der Gesellschaft nicht getragen – vielmehr fördern die Medien den Normal-Bürger ja indirekt auf, für Netzsperren zu sein. Es wird als Allheilmittel verkauft.  Und „problemlösende Politiker“ sind ja bekanntlich beliebt. Auch wenn es Schwachsinn ist, was sie verzapfen. Wir werden wohl zusehen müssen, wie dieses Thema auch in den anstehenden Wahlkämpfen von CDU/CSU gebraucht werden wird, um freiheitsliebende Parteien in die Enge zu treiben.

Update: siehe „Hausdurchsuchung wegen Blog-Verlinkung?“

Update2 : DNS-Server, die weder Zensieren noch Loggen.

Dieser Beitrag wurde unter Netzwelten abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.