Netz-Sperren : Brief an Provider

Ein Brief an meine Netzbetreiber (Alice und Vodafone):

Sehr geehrte Damen und Herren,

in der derzeit statt findenden Diskussion, ob in Deutschland Internetsperren eingerichtet werden sollten oder nicht, möchte ich Ihnen mitteilen, dass ich einer Vertragsänderung hierzu Ihrerseits nicht akzeptieren werde.

Laut Medienberichten gehören Sie zu den Providern, welche bereit wären einen (wie auch immer gearteten) Vertrag mit dem BMI zu unterzeichnen, welcher Sie verpflichten wird die Internet-Anschlüsse Ihrer Kunden zu beschränken.

Ich verstehe die enorme Priorität des Kampfes gegen Kinderpornografie. Ich selbst habe mich in diesem  Bereich aktiv gezeigt – Stichwort „Hacker gegen Kinderpornografie“ oder „Netz gegen Kinderpornografie“.

Netz-Sperren sind aus meiner Sicht aber kein Mittel um diese schrecklichen Verbrechen ein zu schränken. Vielmehr müssen die Urheber und die Verbreiter solcher verabscheuungsswürdigen Inhalte dingfest gemacht werden. Wie bekannt wurde, haben hier die deutschen Behörden ihre Hausaufgaben nicht gemacht – viele der auf der designierten Sperrliste befindlichen Server haben Ihren Standort in Deutschland.

Ich sehe vielmehr den Versuch solche Sperren ein zu führen im Kontext der Veränderungen der letzten Jahre: viele Entwicklungen deuten im Allgemeinen darauf hin, dass Bürger immer mehr in Ihren Grundrechten – und dazu gehört in dem Fall das Fernmeldegeheimnis, die Meinungsfreiheit und andere – eingeschränkt werden. Nicht nur die letzten Überwachungs-Gesetze haben uns dies gezeigt.

Es steht daher offen zu Vermuten, die Sperren gegen Kinderpornografie seien nur der Anfang einer ganzen Sperr-Welle. Eine solche Sperr-Infrastruktur wird über kurz oder lang auch gegen andere Webseiten angewandt werden. Die Erfahrung lehrt, dass dies alsbald auch dem Staat „unliebsame“ Angebote sein werden.

Ich fordere Sie daher eindringlich auf, einen Vertrag, welcher Sie zu Internetsperren verpflichtet, im Sinne der Bürger- und Freiheitsrechte nicht zu unterzeichnen. Verwenden Sie die nötigen Investitionskosten lieber dazu, Hinweisen auf solcherlei Verbrechen nach zu gehen und den Behörden im Rahmen geltender Gesetze bei deren Bekämpfung zu unterstützen.

Sollten Sie einen solchen Vertrag dennoch eingehen kündige ich an, meine monatlichen Gebühren entsprechend eigenmächtig zu mindern oder den Vertrag fristlos zu kündigen.

Viele Grüße,
xxxxxxxx

Ich bin mal gespannt ob ich darauf überhaupt Antworten bekomme.

Ob dies Sinnvoll ist oder nicht – darüber lässt sich streiten. Ein Symbol jedoch ist es allemal. Ich würde mich freuen wenn möglichst viele einen solchen Brief / email an Ihre Provider schicken würden.

K-Link-Sammlung 😉

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5 Antworten auf Netz-Sperren : Brief an Provider

  1. Nix sagt:

    Habe den Brief soeben kopiert und an meinen Provider abgeschickt. Ansonsten ist meine Meinung zum Thema deutlich in meinem Blog zu lesen.

    Gruss
    Nix

  2. Bine sagt:

    Habe den Text ein bisschen angepasst / aktualisiert:

    http://pastebin.com/f569c8a08 kann, darf und soll gern verwendet werden 🙂

    Viele Gruesse

    Bine

  3. Bine sagt:

    kleines Update: mich hat vorhin mein Provider angerufen und mir mitgeteilt, dass er zwar Zensur aeh…tschuldigung, KiPo-Internetfilter einzusetzen gedenkt, aber das ja alles gaaaarnicht schlimm ist, weil da ja ganz bestimmt ausschließlich KiPo-Seiten auf den Listen landen werden. Als ich die australischen Listen angesprochen habe, musste er ploetzlich weg..

  4. Basti sagt:

    Der Brief ist mal richtig gut…
    Gibt es eigentlich eine Liste, wer sich an den Sperrungen beteiligt?

  5. Empirius sagt:

    JA es gibt ne Seite, wo steht wer sich beteiligt. Also ne kleine Übersicht.

    http://zensurprovider.de/