Was ich aus dem NRW-Ergebnis für die Piraten gelernt habe

Die NRW-Wahl war gestern. Heute ist Koalitionspoker. Aber wir Piraten haben auch was zum Nachdenken bekommen – ca. 1,54% als Ergebnis ist etwa 0,2 Punkte unter dem Bundestagsergebnis für NRW und 0,5 unter dem Bundestagsergebnis insgesamt.

Ich schätze, alle haben da ihre eigenen Gedanken woran das gelegen haben könnte. Man kann es sich einfach machen und  äußeren Einflüssen die „Schuld“ zu schieben – da findet sich genug. Aber jeder dieser Einflüsse von außen hätte einer Aktion von innen bedurft, so dass diese Diskussion müßig ist. Schauen wir also doch eher nach innen und prüfen mal, was wir verbessern sollten. Dabei will ich jetzt nicht auf den LV NRW eingehen… sondern nur mal für Bayern ein paar Thesen aufstellen.

  • Wir brauchen eine Pressearbeit, die gute PMs schreiben kann – aber auch die Beziehungen zu Journalisten pflegt. Die besten Schreiberlinge strampeln sich umsonst ab, wenn die Inhalte nicht von den richtigen Leuten gelesen werden. Insofern wünsche ich mir die Trennung von Presse-Text-Erstellung und Presse-Arbeit/Koordination.
  • Ein aus dem Hut gezaubertes, übereiltes Vollprogramm kann nach hinten los gehen. NRW hat sich da recht weit aus dem Fenster gelehnt und sich meiner Meinung nach selbst schaden zugefügt. Wir haben unsere „Kernthemen“ die wir weiter ausbauen und konkretisieren müssen – was darüber hinaus geht muss langsam (sehr langsam!) wachsen. In gewisser Weise sehe ich da auch die Bestätigung, dass wir eine Programmentwicklungsstrategie brauchen.. und das aber auch auf Bundesebene. Dem entsprechend müssen wir auch auf unsere Bundesprogramme aufpassen!
  • Wir brauchen Köpfe, die unsere Themen gut transportieren können und hinter denen die Piraten auch stehen
  • In gewisser Weise sollten wir aufhören kurzfristig vom Einzug in Parlamente zu träumen. Wir sollten den Fokus darauf richten uns stärker zu machen: Programm (Kern!), Orga, Finanzen… Strategie. Das gelingt umso leichter, wenn alle einen realistischen Horizont im Auge haben.
  • Unsere „Kern-“ Themen werden zunehmend von Altparteien besetzt. Um dem entgegen zu steuern darf die Hauptstrategie nicht sein, unser Programm um neue Themen  zu erweitern. Wir müssen unser Profil schärfen. Uns stärker MIT den Kernpositionen abgrenzen und klar kommunizieren, dass die anderen Parteien diese Themen nicht wirklich ernst nehmen.
  • Bei der Erarbeitung von gemeinsamen Strategien müssen wir möglichst viele einbeziehen und auch Leute aktivieren. Trolle sollten wir konsequenter behandeln wie auch unsere gesamte Kommunikation nochmal überdacht werden muss.
  • Von der „Dagegen“ zur „Dafür“ Partei !
  • Weniger Flamen, mehr machen!
  • … ?

Sicher habe ich jetzt was übersehen, aber das ist erstmal das, was ich meine gelernt zu haben 🙂

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4 Antworten auf Was ich aus dem NRW-Ergebnis für die Piraten gelernt habe

  1. Pingback: Piraten in NRW - 1.54% | Tirsales Gedankenraum

  2. Andi Z sagt:

    * Pressearbeit: Was nützt die beste Pressearbeit, wenn wir keine griffigen und provokante Themen anbieten? Ich glaub es gab genug PMs während dem Wahlkampf…
    * Vollprogramm. Da stimme ich Dir überein. Mittlerweile verstehe ich auch ein wenig besser, was Du genau mit der Programmentwicklungsstrategie meinst, obwohl ich noch immer nicht ganz davon überzeugt bin.
    * Köpfe. Natürlich, gute Leute sind immer wichtig, davon lebt die Partei. Ich bin mir aber sicher, Du teilst meine Einschätzung, das wir in erster Linie einen Parteiwahlkampf und keinen Personenwahlkampf führen sollten.
    * Ins Parlament einziehen. Träumen darf man immer. Aber, Du hast recht, davon ausgehen sollte man erstmal nicht mehr.
    * Kernthemen werden von Altparteien besetzt. Das sehe ich nicht so. Insbesondere bei der Urheberrechtsdebatte. Und gerade die Art und Weise wie wir Politik machen ist einmalig und sollte auch so bleiben.
    * Strategisch. Verstehe hier nicht was Du meinst. Geplante Vorgehensweise ist in meinen Augen eher nicht von Vorteil?
    * „Von der “Dagegen” zur “Dafür” Partei !“ Ja, da hast Du durchaus recht. Aber es ist doch etwas vermessen, derzeit anzunehmen, wir hätten die Möglichkeit der Gestaltung. Das sind im Endeffekt dann wohl eher Formulierungshinweise (Also „für freies Internet“ statt „gegen Zensur“).

    Mein persönliches Fazit findet sich übrigens dort: http://wiki.piratenpartei.de/Benutzer:Andizo/NRW_Fazit

  3. lolucard sagt:

    um ehrlich zu sein, habe ich es erwartet.
    Besonders haben mich die immer wieder bis zum Ende und darüber hinaus ausgelutschten Parolen beunruhigt. Wir brauchen keine dumme Symbolpolitik, klar vielleicht lustig/treffend und Medienwirksam, aber WÄHLER machen wir uns damit nicht.
    Kompetenz und Programm kommt VOR piratigem Spaß, zumindest dann wenn es darum geht, was den mündigen Bürger erreichen soll.

    Es geht auch überhaupt nicht um den Einzug ins Parlament. Es geht darum, den Großen der Dorn im Nacken zu sein, der dazu tendiert böse an zu wachsen, wenn sie sich nen undemokratischen Fehltritt leisten. Geschweige denn, dass die Leute endlich kapieren, dass sie Einfluss in die Politik haben und dass es NICHT egal ist, wen sie wählen.

  4. Benno sagt:

    Ich denke das Ergebnis darf man nicht überbewerten. Das war eine Abstimmung für/gegen Rüttgers und Schwarz-Gelb. Das Programm (das sicher die wenigsten gelesen haben) hat bestimmt kaum eine Rolle gespielt.

    Da werden viele für Rot oder Grün gestimmt haben, weil sie nicht wollten das ihre Stimmen nachher fehlen. Was man ja auch von den verbliebenen PiratenStimmen mit gutem Recht behaupten kann.

    Falls das tröstet: von den 19-25 jährigen haben lt. Forschungsgruppe Wahlen 7 % Piraten gewählt.

    Siehe auch:
    http://direkteaktion.over-blog.de/article-die-risiko-wahl-in-nrw-50058719.html
    Ansonsten siehe auch mein