Stoppt den radikalen Laizismus

Beim durchgehen von Kommentaren und den dazugehörigen Blogs stieß ich immer mal wieder auf Leute, denen Religion so gar nicht passt. Leider finden sich da auch Beispiele, die kaum mehr in den Begriff der Toleranz passen.

Wenn man sich das Trauerspiel in LQFB mal genauer anschaut kann man eine deutliche Tendenz zu laizistischen Bestrebungen erkennen. Zusammenfassen kann man die Forderungen in etwa:

  • der Einfluss der Kirchen/Religionen im Alltag soll reduziert werden
  • § 166 StGB (Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungenersatzlos) soll gestrichen werden
  • die öffentliche Finanzierung der Kirchen soll wegfallen
  • Abschaffung von Religionsunterricht bis hin zur Abschaffung des Ethikunterrichtes (der sei auch religiös geprägt)

Das sind IMHO alles Themen, über die man diskutieren kann. Ich sehe ja auch den Auftrag durch GG §140 (und damit WRV §138) z.B. die Staatsleistungen an Amtskirchen durch neue Regelungen abzulösen. Es ist schlicht nicht zu vertreten, nur die „großen“ Amtskirchen zu fördern. Vielmehr sollten wir sämtliche Kultur (die nicht gegen das GG verstößt) und damit auch Religion fördern, gleichberechtigt.

Doch wo Diskussionen hierrüber hinaus gehen, hat für mich der Spaß ein Loch. Da werden religiöse Menschen als Dumm oder Stur hingestellt oder gar mit Kinderschändern über einen Kamm geschoren.  Oder die Religion als Lüge dargestellt. Das geht eindeutig zu weit. Problematisch ist nur, dass genau die Leute, die so etwas vom Stapel lassen auch zu denen gehören, die die o.g. Forderungen durchsetzen wollen.

Auch wenn ich die Legitimation des Papstes nicht anerkenne und schon gar nicht seine durchgeknallten Ideen gut finde… fällt mir da doch eine Warnung von ihm ein. Anlässlich seines UK-Besuchs letzte Woche warnte er vor dem „radikalen Laizismus“. Damit ist wohl die von einigen Strömungen angestrebte totale Verbannung religiösen Lebens aus  Gesellschaft und Staat gemeint.

Nach seinen Worten reduziere dieser alles auf Handel und Vorherrschaft des Marktes. Bei dessen Auftreten für die „absolute Freiheit“ würden aber die Errungenschaften der Aufklärung selbst verworfen, obwohl vorgegeben werde diese zu schützen. Schlussendlich werde „radikaler Laizismus“ daher zu Materialismus.

Ausnahmsweise daher mal ein /sign von mir unter die Worte des Papstes. Dieses mal 😉

Stoppt den „radikalen Laizismus“!

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15 Antworten auf Stoppt den radikalen Laizismus

  1. Pingback: Piraten schützen das Grundgesetz – oder doch nicht? « Rainers Blog

  2. HolzBeinFaust sagt:

    Nö den stoppen wir nicht. Schau dir die Schande aller religiösen Erzeugnisse doch weltweit an. Die Menschheit wird an ihrem unbegründeten Glauben eines Tages noch untergehn. Es wird ein für alle Mal Zeit, diese Gepflogenheiten abzulegen. Ihr wollt Glauben? Dann glaubt an die Menschen, an uns, an die Gesellschaft. WIR sind es, woran WIR glauben müssen. Sind wir souverän oder Gottgesteuert? Eigenverantwortungsfähig oder von Propheten geleitet?

    Wäre die Religion schon frühzeitig aus der Geschichte verbannt worden wären wir heute um einiges weiter, friedlicher und vereinter. Religion ist Rückschritt, Krieg, Elend und Spaltung. Sie verschafft ihren Anhängern nur durch den Glauben imaginären Frieden, aber er ist nur kurzweilig, und er ist nicht echt. Letztensende führt jeder Glauben ab einer gewissen Konzentration zu Hass und Gewalt gegen Andersgläubige.

    Eine gewisse Grundethik sowie moralisches Verständnis und fertig ist der religionsfreie, dennoch geistreiche, neue Mensch. Säkularität ist auch nur eine Ausrede, Toleranz eine Lüge. Schonmal versucht, eine Atheistin in einem Kita-Posten unterzukriegen? Fast eine Unmöglichkeit!

    RELIGION IST HEILBAR!

  3. Ich kann deinen Ansichten nicht zustimmen.

    Ich bin zwar nicht in Liquid Feedback und habe auch ansonsten nicht auf meinem Blog oder über Twitter mich bisher über dieses Thema geäußert, aber obige Forderungen könnte ich fast alle unterschreiben (bis auf den Wegfall des Ethikunterrichts, welchen ich für sehr sinnvoll halte).

    Das Gläubige kategorisch dumm seien oder mit Kinderschändern verglichen werden müssten, halte ich natürlich auch für Unsinn und zeugt von geistiger Unreife. Mir ist jedoch keine Initiative bekannt, welche dies zum Ausdruck bringt oder gar als Programmatischen Punkt fordert.

    Zu dem Punkt, dass radikaler Laizismus gleichzusetzen sei mit (letztendlich) purem Materialismus, bleibt mir nur zu sagen, dass dies einfach nicht stimmt. Auch wenn die Kirche (oder Religionen an sich) auch heute noch für sich dass Alleinstellungsmerkmal vertreten, dass nur Kirche (Religion) Werte erschafft und vermittelt, so ist dies trotzdem einfach nur eine Behauptung, die ohne Beweisgrundlage dargetsellt wird.

    Auch Atheisten haben Werte und zwar nicht nur materialistische (Hedonismus), sondern durchaus auch welche, die die Kirche auch vertritt (Nächstenliebe, Solidarität, Fleiss, etc..). Nur leiten sich Atheisten diese Werte aus der Vernunft ab und nicht aus einem Religionsbuch.

    Das der Einfluss der Religionen vor allen Dingen aus dem Staatswesen ist in meinen Augen völlig zu Recht einzuschränken. Denn deren Einfluss müssen auch neutral eingestellte Menschen erfahren (z.B. ein Homosexueller, welcher aufgrund des kirchlichen Einflusses nicht heiraten dürfen soll). Einflussnahme bedeutender Organisationen sind mit Neutralität nicht vereinbar (und auch die großen Religionsbücher wie die Bibel, Koran, etc.. sind mit dem GG kaum vereinbar, wenn man sie wörtlich nehmen würde). Genauso wie wir den Lobbyismus (von Unternehmen, etc..) nicht gutheissen, genauso heisse ich den Lobbyismus der Religionen nicht gut (und zwar gleichgültig, um welche Religion es sich handelt).

    Im Privatleben habe ich gegen die Religionen nichts einzuwenden, was auf staatlichem Gesetzeswege erfolgen müsste (Kritik an Religionen üben tue ich natürlich auch im Privaten), aber die Religionen (und auch die private Religionsausübung) haben sich m.E. nach dem GG immer unterzuordnen. Eine private Religionsausübung, welche das GG verletzt (z.B. die Gleichberechtigung von Mann und Frau negiert), lehne ich ab.

    Viele Grüße
    Matthias

  4. validom sagt:

    Danke für den 2. Beitrag, der bestätigt nur was ich oben geschrieben habe 😉

  5. HolzBeinFaust sagt:

    Und mich bestätigt der 3. Beitrag, nämlich dass wir Atheisten auch ohne Religion oder anderweitiges übernatürliches Glaubensbekenntnis dazu in der Lage sind, humanistische Werte zu vertreten und anzuwenden.

    Warum sich also externer Quellen bedienen wenn wir es auch selbst hinkriegen? Faulheit? Ich bleibe dabei: Religion ist heilbar, und zwar auch bei bayerischen Mitbürgern 😉

  6. NineBerry sagt:

    Am „Materialismus“ ist erst Mal per se nichts schlechtes. Es ist schlicht die Idee, dass die Welt allein mit Naturgesetzen erklärbar ist und durch nichts „übernatürliches“ beeinflusst wird.

    Eine konkrete ethische Anschauung folgt daraus nicht zwangsläufig. Es gibt verschiedene Philosophien, die man aus dem Materialismus ableiten kann.

    Eine davon ist ein materialistischer oder naturalistischer Humanismus, dem z.B. ich folge. Dieser stellt vollkommen ohne spirituelle Begründung das Wohlergehen und die Würde des einzelnen Menschen in den Vordergrund gesellschaftlichen Handelns.

    Den Materialismus als etwas „böses“ darzustellen hat in den letzten zwei Jahrhunderten Tradition in der katholischen Kirche und auch sehr viel mit den Schattenseiten dieser 200 Jahre Geschichte zu tun.

    Man kann aus Materialismus Humanismus herleiten und wie die Geschichte gezeigt hat, wird aus dem Gegenteil von Materialismus (Idealismus, Spiritualismus, Immaterialismus) nur allzu leicht das Gegenteil von Humanismus abgeleitet. Wenn man nämlich glaubt, dass eine Idee oder ein Wesen (ob jetzt Gott, Volk, Rasse, Nation, etc) wichtiger sind als einzelne Menschen, kommt man schnell dazu, die Interessen einzelner Menschen mit Füßen zu treten.

  7. HolzBeinFaust sagt:

    Oh ein Naturalist – wunderbar! Plz contact me at whk|at|gmx|dot|de

  8. Andi sagt:

    Lieber HolzBeinFaust,

    mich schaudert wenn ich deine Worte lese. Der Umgang den du hier pflegst, insbesondere der Ton mit dem du hier auf den Gefühlen anderer Menschen herumtrampelst ist alles andere als humanistisch. Die Radikalität mit der du von anderen verlangst sich deinem Weltbild anzupassen unterscheidet sich nicht im geringstem von dem der Radikalgläubigen, die du hier verdammst.

    Bei den PIRATEN respektieren wir die Weltanschauung von anderen, auch wenn wir sie nicht teilen und bezeichnen sie deswegen nicht als krank. Die Toleranz ist nämlich eines der zentralen Elemente des Humanismus.

    Jetzt darfst du mich flamen 😉

    ————————–

    Lieber Matthias,

    vielleicht solltest du dich mit Vali zuerst einigen vom welcher Form das Materialismus ihr sprecht. Das ist ein Homonym 🙂

    Gruß
    Andi

  9. @ Andi Popp

    Ich habe mich beim Begriff Materialismus am Begriff den Hedonismus orientiert, weil Validom den Materialismus i.V.m. dem Papstbesuch Benedikts erwähnt hat. Papst Benedeikt kritisiert den hedonistischen Lebensstil

    http://www.denk-doch-mal.de/node/276

    „Gemäß seinem Leitmotiv „Liebe in Wahrheit“ prangert der Papst deutlich einen Lebensstil an, der „in vielen Teilen der Welt zum Hedonismus und Konsumismus neigt und gegenüber den daraus entstehenden Schäden gleichgültig bleibt““

    Also habe ich Materialismus in diesem Kontext quasi als Konsumismus gleichgesetzt.

    Laut Wikipedia habe ich somit den Materialismus in seiner ethischen Variante gedeutet

    http://de.wikipedia.org/wiki/Materialismus

    „Der ethische Materialismus, alltagssprachlich der gebräuchlichste Begriff, kennzeichnet (meist abwertend) eine Lebenseinstellung, die hauptsächlich nach materiellem Besitz und Wohlstand strebt. Siehe auch: Konsumgesellschaft, Konsumismus.“

    Falls ein anderer Materialismusbegriff (historisch oder erkenntnistheoretisch/ontologisch) im Blogbeitrag gemeint war ist mein Kommentar in diesem Zusammenhang natürlich nicht mehr gültig 😉

  10. NineBerry sagt:

    Das Problem im Artikel ist ja gerade, dass beides gleichgesetzt wird. Oder wieso sollte sonst die Abwesenheit von Religion in der Gesellschaft zu Hedonismus führen? (Hedonismus übrigens auch wieder so ein Wort, das im allgemeinen Sprachgebrauch anders verwendet wird als in der Philosophie)

  11. cEdge sagt:

    „Ihr wollt Glauben? Dann glaubt an die Menschen, an uns, an die Gesellschaft. WIR sind es, woran WIR glauben müssen.“
    Wer bist du denn, das du mir vorschreibst, was ich zu glauben oder nicht zu glauben habe?

  12. validom sagt:

    cEdge, ich schreibe Dir nicht vor, was Du zu glauben hast. Wo steht das denn bitte?

    Ich kann, will und werde nur nicht tolerieren wie einige „radikale Laizisten“ mit Hass und Intoleranz unsere gemeinsame Überzeugung von Freiheit und Toleranz mit Füßen treten!

    Das ich darüber hinaus den Selbstzweck im „an uns glauben“ für nicht ausreichend halte ist meine eigene Meinung – die ich Dir nicht vorschreibe. (gleiches gilt für Materialismus oder Humanismus, die alleinstehend sich nur im Kreis drehen, also einen Selbstzweck erfüllen)

  13. @ validom

    cEdge bezieht sich auf Kommentar Nr. 2 von HolzBeinFaust (Mitte erster Abschnitt)

    „Ihr wollt Glauben? Dann glaubt an die Menschen, an uns, an die Gesellschaft. WIR sind es, woran WIR glauben müssen.“

    Er kritisiert somit nicht dich, sondern die Aussage von HolzBeinFaust 😉

    Viele Grüße
    Matthias

  14. validom sagt:

    Danke Matthias, das hatte ich übersehen. Die Kommentare hier stehen auch nur untereinander, ohne threading. Mal sehen, ob ich das aktiviert bekomme.

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