Aufgabe von Vorständen: Führungsstil und Eingriffe
Die Tätigkeit als ein Vorstand bei den Piraten führt unweigerlich dazu, dass man sich mit schwierigen Fragen wie Streitschlichtung oder ganz allgemein dem “Führungsstil” auseinander setzen muss. Ohne jetzt auf vergangene oder aktuelle Fälle einzugehen, möchte ich mal ein wenig darüber sinnieren und Eure Meinung dazu bekommen.
Eine zentrale Frage für mich war und ist, in wie weit ein Vorstand Schäden von seinem Verband abwenden muss, die von innen heraus entstehen. Zwar sind prinzipiell in einer nach basisdemokratischen Werten ausgerichteten Organisation alle in der Pflicht, etwas gemeinsam zu bewegen. Doch wenn z.B. durch das Tun einiger weniger eine größere Menge anderer Piraten ihre Mitarbeit einstellen, sich von Kommunikationsmitteln fernhalten (z.B. Mailinglisten, Foren etc.) oder gar austreten… soll/muss der Vorstand dann handeln?
Bei dieser Betrachtung muss man sich zuerst einmal überlegen, was diese Schäden denn sind bzw. wie man diese bemessen könnte. Den Schaden sog. Flamewares oder von “Trollen” auf Mailinglisten könnte man daran messen, wie viele Mitglieder die Liste abbestellen. Das sagt aber noch nichts darüber aus, ob diese sich dann einfach woanders aktiv zeigen oder inaktiv werden. Das Einbrechen von Besucherzahlen bei Stammtischen oder anderen Veranstaltungen kann nur ein Hinweis sein, schließlich gibt es auch ganz natürliche Entwicklungen die hierzu führen. Austritte widerrum sind ein klares Indiz dafür, dass was falsch läuft – man kann sie aber schwer einer Ursache wirklich zuordnen weil die wenigsten Gründe angeben. Häufen sich Austritte aber in einer “Problemregion” (und in anderen Regionen nicht) kann man Rückschlüsse mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ziehen.
All diese Definitionen von “Schaden” greifen also für sich genommen nicht. Nimmt man sich aber Zeit und hört Piraten in einer “Problemregion” zu – kann man evtl. mehr über deren Einschätzungen und erlebte Vorkommnisse erfahren. Wichtig ist hier natürlich beide “Seiten” zu hören. Treten dann noch viele der o.g. Indizien auf, kann man davon ausgehen, dass ein Schaden für den Verband entstanden ist, bzw. sich dieser gar ausweitet.
Dann muss man diesen Schaden irgendwie bewerten. Ist er akzeptabel? Tolerabel? Als nächstes: leider unvermeidlich oder kann man was tun? Angenommen, eine (interne) Entwicklung wäre in-tolerabel, also nicht duld-bar, sehe ich eine Pflicht einzuschreiten. Für mich sind das beispielsweise jegliche Formen körperlicher Gewalt, Drohungen oder heftige Beleidigungen die über eine Affekthandlung (mit nachträglicher Entschuldigung) hinausgehen.
Bei inakzeptablen Vorkommnissen, also solche die man nicht gut findet aber noch nicht in-tolerabel sind, gestaltet sich das schon schwieriger. “Laufen lassen” kann da eine Strategie sein. “Beraten”, also mit guten Ideen und positiven Impulsen voran gehen ist aber schon besser. Führt das dauerhaft über die Zeit aber zu keiner Besserung, wird ein eingreifen immer unausweichlicher.
Das Problem an solchen Situationen ist, dass man kaum mehr eine eindeutige “Schuld” feststellen kann – wenn überhaupt, lässt sich diese dann bei allen beteiligten Seiten finden. Eine “Gerechte” Lösung wird also kaum möglich sein. Schlichtung ist also angesagt, nötigenfalls auch mit professioneller Mediation. Das kann dauern und kostet Zeit und Kraft, lohnt aber meistens.
Doch was ist, wenn dieses Schlichten auch mehrfach zu keinem dauerhaften Erfolg führt? Wenn man die Seiten als Schleifsteine wahrnimmt, die sich gegeneinander Abreiben und damit eigentlich nur gleichzeitig an Substanz verlieren? Wenn es so weit geht, dass diese Schleifsteine bald nicht mehr unseren Gegner (z.B. andere Parteien) “beschleifen” können weil sie sich gegenseitig abgerieben haben?
Muss sich dann ein Vorstand von einem der beiden “Schleifsteine” “trennen” ? Eine sehr unangenehme Aufgabe wäre das, da keine “Gerechtigkeit” (weil keine Schuld mehr definierbar ist) hergestellt werden kann. Umso schwieriger wird es, wenn der Vorstand selbst einer dieser “Schleifsteine” ist.
Ich bin gespannt auf Eure Meinungen.
Den Stand meiner Überlegung zum jetzigen Zeitpunkt möchte ich aber auch nennen. Was jetzt folgt ist also vorläufiger, unfertiger Hirnschmalz, ich muss da noch weiter denken und lernen.
IMHO ist ein Vorstand dazu gewählt, die Gliederung nach innen und außen zu vertreten. Dazu gehört auch die Rahmenbedingungen zu schaffen, dass die Gliederung (unter Akzeptanz von Schwierigkeiten und dem Wissen um das gemeinsame Wachsen) überhaupt im Rahmen basisdemokratischem Strebens Erfolg haben *kann*. Das umfasst in erster Linie die Verwaltung und Organisation. Meiner derzeitigen Meinung nach umfasst das aber auch dafür zu sorgen, dass die Mitglieder eine Arbeitsumgebung & – atmosphäre vorfinden, in denen sie wirken können und wollen. Ist dieser Rahmen (Verwaltung, Organisation, Umgebung) nicht gegeben, kann die Gliederung kaum politischen Erfolg haben. Dabei ist die Ausgestaltung dieses Rahmens subjektiv und dem gewählten Vorstand überlassen (der die Mitglieder darin einbeziehen muss) . Schafft ein Vorstand diesen Rahmen nicht oder gestaltet ihn unpassend für die Mitglieder, wird er nicht wiedergewählt.
Kommt also ein Vorstand zu dem Schluss, dass es ohne der Trennung von einem “Schleifstein” (siehe oben) nicht mehr weiter geht, dann muss er das auch durchführen. Was ihn natürlich sofort unmittelbar in andere Konflikte führt – rufe nach Meinungsfreiheits-Unterdrückung sind da nur eine absehbare Folge. Immerhin *kann* ja die Entscheidung nicht “gerecht” (s.o.) sein, sie muss unter Wahrung der Verhältnismäßigkeit die mittel- und langfristige (Wieder-)Herstellung des genannten Rahmens bewirken.
Was aber bleibt ist, dass solche Handlungen sehr unbequem und an-sich zu verabscheuen sind. Das geht weit, weit über die Lebensrealität von vielen hinaus, die meist nur kurzfristige Erfolge und Fehler sehen.
Oder habe ich etwas übersehen? Wo könnte man vorher ansetzen?
keine Haftung für Betreiber von offenen WLAN für übertragene Inhalte
Seit Jahren kursieren Gerüchte nach denen man de-facto immer für die Daten/Inhalte haften würde, die über sein WLAN ins Internet übertragen werden. Dem widerspreche ich regelmäßig, weil das für Hotspot-Betreiber – also Zugangsanbieter – nicht zutreffen *darf*. Das betrifft nicht nur kostenpflichtige Angebote – auch Kneipenbesitzer die ihren Kunden kostenloses WLAN anbieten oder klein-Pirat zuhause, der sein WLAN absichtlich für Gäste offen lässt.
Bei Heise Resale gibt es jetzt einen schönen Artikel darüber, sehr lesenswert.
BGE: ein paar Fragen
(Ich finde es unerträglich, dass der Bundesvorstand der Piratenpartei Deutschland eine Demo unterstützt, die sich für ein Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) ausspricht. Mit fadenscheinigen Argumenten, mit denen man jedwede Aktion zu fast allen Themen unterstützen könnte. Aber nun gut, das Thema BGE ist heiß und ich habe ein paar Fragen dazu.)
Denn sich mit dem Thema zu beschäftigen ist hoch-interessant, ich empfehle zum Einlesen einfach nur den Wikipedia-Artikel und die jeweiligen Artikel dort zu den verschiedenen Modellen. Besonders die beiden Bürgergeld-Modelle erscheinen mir übrigens besonders interessant weil sie mir noch halbwegs umsetzbar erscheinen (liberales bzw. solidarisches Bürgergeld).
Nun aber zu den Fragen/Thesen, die ich bitte schlüssig zu widerlegen:
1. Gebe ich jedem in einer Volkswirtschaft z.b. 1000eur gehe ich davon aus, dass diese 1000eur sehr schnell nichts mehr wert sein werden. Produkte und Dienstleistungen werden in einem Finanzsystem (in Idealfall) mit Geld bezahlt, was andere auch wiederum für Produkte oder Dienstleistungen bekommen haben. Bekommt nun jederman 1000eur “einfach so”, werde ich für diese tausend Euro so viel bekommen, wie ich heute für Null Euro bekomme: nichts.
2. In keinem (mir bisher bekannten) Modell wird Erwerbsarbeit abgeschafft. Wenn aber Produktivität bzw. Wertschöpfung benötigt wird, um das BGE zu finanzieren, ändert das BGE eigentlich nichts? So wie Rührkuchen, am Ende ist es immer eine schleimig-klebrige Masse…
3. Damit ein BGE funktioniert, muss es entweder Weltweit gleichzeitig eingeführt werden oder es müssen Grenzen verschlossen werden. Führt man also z.B. in Deutschland ein BGE ein, muss Zuwanderung extrem restriktiv gehandhabt werden. Was mich zu einer sehr provakanten These führt: was unterscheidet das dann von nationalsozialistischen Bestrebungen?
4. Um BGE-Befürworter zu sein/werden, muss man daran glauben, dass Menschen weiterhin ähnlich produktiv sein werden als wenn sie das BGE nicht beziehen würden? Damit das System funktioniert muss ja weiterhin Wertschöpfung betrieben werden, sonst wäre weder Geld da um das BGE zu finanzieren noch Produkte vorhanden damit Menschen sich ernähren können.
5. Das BGE beseitigt nach den Punkten 3+4 ja auch gewisse Zwänge, von denen sich die Gesellschaft befreien könne. Wer erledigt aber mit einem BGE noch die Aufgaben, die “nicht so viel Spaß” machen? Ohne jetzt einige Berufe abwerten zu wollen, aber es gibt sicherlich genügend Arbeitsfelder in denen das Personal nur arbeitet, weil es das Geld braucht. Diese Aufgaben müssen aber erledigt werden, man denke da nur an die Müllabfuhr, Kanalreinigung oder die Buchhaltung einer Bank
Ich habe zwar noch mehr Fragen, aber ich glaube das genügt erst einmal.
INDECT : gigantisches Überwachungsnetzwerk
Schon mal was von INDECT gehört? Schon die Übersetzung des Namens lässt einen erschauern:
Intelligentes Informationssystem zur Unterstützung von Überwachung, Suche und Entdeckung für die Sicherheit von Bürgern in städtischer Umgebung.
Kurz gesagt geht es darum, sämtliche Verfügbaren und auch noch zu schaffenden Überwachungstechnologien zusammen zu schalten. Plus alle verfügbaren Informationsquellen. Das beinhaltet das Zusammenführen von Videoüberwachung mit Radarsystemen, Polizeidatenbanken, Datenbanken anderer Behörden (z.B. die Ausweisfotos und Gesichtserkennungsdaten von Pässen und dem neuen ePerso) aber auch private Datenbanken von Unternehmen: Mobilfunkanbieter, Email-Provider, Internet-Provider….
Im Vergleich dazu sind Projekte wie Vorratsdatenspeicherung, ELENA, SchülerID usw. Kindergarten! Das ist die totale Überwachung. Einen guten Vortrag dazu hat Roland A. auf dem Landesparteitag der Piraten in Bayern gehalten, seht selbst:
Wir müssen bei dem Thema aktiver werden! Das *muss* aufgehalten werden. Nicht nur sehe ich die Chance hier wieder das halbe Internet zum Protest zu bewegen – wir müssen das Thema auch in die Öffentlichkeit bringen!
Mehr Informationen:
- INDECT in der Wikipedia
- Die INDECT Projektseite
- BigBrother Award für INDECT
- Piratenpartei veröffentlicht INDECT-Dokumente
- Artikel zu INDECT in der Flaschenpost
Also: schreibt Euren Tageszeitungen Leserbriefe, erwähnt INDECT überall wo es halbwegs passt, bloggt darüber, klärt Eure Freunde und Familie auf, nervt Eure Bundestags/EU-Abgeordnete… um nur zu nennen was Ihr alle für den Anfang tun könnt
Später sehe ich Demos, Vorträge, Mahnwachen… das volle Programm
Kurzum: feuert aus allen Rohren auf INDECT!
Spiegel TV – “Unter Linken”
Selbst neige ich ja auch gern mal zum politischen Opportunismus und finde viele links-liberale Thesen für am optimal+ praktikabelsten.
Doch mit dem Bestseller-Buch “Unter Linken” hat der Autor Jan Fleischhauer erreicht, dass mal ausnahmsweise nicht Linke über die Republik sondern die Republik über die Linken lachen
In Zusammenarbeit mit Spiegel TV hat er einen Film gedreht, der sich stark der Methoden von Michael Moore, dem Regisseur von “Bowling for Columbine” oder “Sicko” bedient. Äußerst sehenswert. Hier die Playlist mit allen 4 Filmteilen:



