Mail an den BuVo: Liquid-Feedback Kompromisse durchsetzen

Ich habe heute eine Mail an die Bundesvorstände der Piraten geschickt (direkt, nicht über die Vorstands-Adresse), die ich Euch nicht vorenthalten will. Transparenz und so… 😉


Hallo Bundesvorstände,

für Eure nächste Sitzung liegen erneut Anträge zum Liquid-Feedback-System vor, u.A. wird die Rücknahme eines Beschlusses der letzten Sitzung gefordert. Ich möchte dazu ein paar Punkte loswerden.

### 1. Der unsägliche Streit um dieses System geht nun seit Monaten, wir sollten endlich einen Kompromissweg zwischen Datenschutz und Transparenz offen kommunizieren und durchsetzen. Ein wichtiger Schritt für die Datenschutzseite in dieser Diskussion war die in-Aussichtstellung der Löschung von Daten im System nach 4 Bundesparteitagen. Das ist aber recht lange hin, bis dahin können sich alle Vorzeichen X-Mal drehen.

Deshalb war und ist es völlig richtig das Angebot zu schaffen, dass Benutzer ihren Namen im System wechseln können. Man überlässt ihnen dann selbst, ob und wann sie ihre Vergangenheit „abkoppeln“ – aber auch ihre Delegationen verlieren. Gegner dieses Vorgehens können damit eigentlich gut leben, da sie selbst diesen Wechsel ja nicht vollziehen müssen und sie weiterhin in Ihrem Kreis nur auf Piraten delegieren brauchen, die eine „vollständige“ Historie haben.

Ich bitte Euch daher inständig darum diesen sehr kleinen und feinen Kompromiss beizubehalten und darauf hinzuwirken, dass er auch umgesetzt wird.

### 2. In vielen Anträgen an Euch wird dieser Tage auf LQFB-Initiativen verwiesen. Politische Aussagen mögen hier ein brauchbares Meinungsbild abgeben. Doch Aussagen zur Weiterentwicklung des Systems, insbesondere Datenschutzrelevanter Entwicklungen, sind stark verzerrt. Viele Piraten, die eher die Datenschutzseite in einem Meinungsbild vertreten würden, nehmen wegen offenen Datenschutzfragen immer noch nicht am System teil.

Dieses sehr starke Verzerrung solltet ihr bei den Beschlüssen berücksichtigen.

### 3. Der Weg, den Nutzern (und eigentlich nur diesen) die Weiterentwicklung von LQFB zu überlassen, ist zur kurz gedacht. Das ist als wenn man Alkoholabhängigen die Weiterentwicklung ihres Konsums selbst überlässt und dabei auch noch so tut, als sei das der Weg der uns die beste Lösung brächte.

Natürlich müssen Anregungen und Verbesserungsvorschläge von Leuten kommen, die sich damit auskennen. Mithin sind das eher die Leute, die das System auch benutzen. Dabei besteht aber die Gefahr, dass man eine Strategie für die gesamte Partei zu Gunsten eines operativen Prozesses vernachlässigt.

Diese Strategie muss uns (meiner Meinung nach) dazu führen, dass wir alle gemeinsam ein System zur Verfügung haben welches uns hilft auch politische Meinungsbildungsprozesse online voran zu treiben. Dazu ist es aber unbedingt notwendig, dass wir Kompromisse finden, die möglichst viele akzeptieren können. Maximalforderungen auf beiden Seiten (Datenschutz und Transparenz) müssen deshalb schnellstmöglich verworfen werden und ein Weg aktiv kommuniziert und durchgeführt werden, mit dem mind. 90% der Leute einverstanden sind.


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5 Antworten auf Mail an den BuVo: Liquid-Feedback Kompromisse durchsetzen

  1. Simon Weiß sagt:

    Lieber validom,

    ein Kompromiss ist gefunden und kommuniziert worden. Du selbst hast diesen noch vor kurzem als „tragfähigen“ „super Kompromiss“ bezeichnet und explizit für seine Akzeptanz geworben (http://validom.net/blog/2010/09/30/liquid-feeback-extremisten-aufhalten/). Dass du jetzt nicht nur für seine Aufhebung wirbst sondern auch noch seine Existenz leugnest, spricht für sich.

    Du schreibst, dass sich bis zur Löschung in vier Parteitag „alle Vorzeichen drehen“ könnten. Was ist darunter zu verstehen? Die Löschung ist in den neuen Nutzungsbedingungen und der neuen Datenschutzerklärung (http://vorstand.piratenpartei.de/2010/10/08/protokoll-zur-vorstandssitzung-2010-10-07/) rechtsverbindlich zugesichert und wird stattfinden.

    Du schreibst, die Möglichkeit des Identitätswechsel sollte angeboten werden. Wenn, dann muss er aber – und das sowohl aus Gründen des Datenschutzes als auch der Nachvollziehbarket! – außerhalb des Systems stattfinden. Das wäre übrigens bereits jetzt möglich, ist aber vor allem deshalb nicht passiert, weil bisher kein einziger (!) Benutzer den Wunsch nach einem solchen Wechsel geäußert hat. Der Bedarf daran ist also vernachlässigbar.

    Du schreibst, es handele sich um einen „kleinen und feinen Kompromiss“. Zumindest bei einer Implementation nach den Vorstellungen des Antragstellers würde es sich um etwas völlig anderes handeln, nämlich eine völlig untragbare Maximalforderung, die die Nachvollziehbarkeit des Systems vollständig aushebelt.

    Du schreibst, es wäre zu kurz gedacht, nur den Nutzern die Weiterentwicklung von LiquidFeedback zu überlassen. LF ist eine Open-Source-Projekt – seine Weiterentwicklung ist der gesamten Menschheit überlassen. Bisher haben sich vier Mitglieder dieser Menschheit gefunden, die diese Weiterentwicklung tatsächlich betreiben. Darüber, Weiterentwicklungen der Software für das Bundesliquid zu übernehmen oder eben nicht, entscheidet die Partei.

    Simon Weiß

  2. validom sagt:

    Simon, ich sehe Du entwickelst Dich weiter – ich auch. Deshalb halte ich es heute für Notwendig zusätzlich zur Löschung nach X Jahren auch den Namenswechsel im System anzubieten.

    „Die Vorzeichen“ willst Du ja selbst drehen, in dem Du aktiv eine Gegenposition einnimmst und genau damit versuchst die von mir als Sinnbild gebrachten Vorzeichen zu drehen. Bei guter Lobbyarbeit von Dir bzw. denen die daran Interesse haben wird es keine Löschung geben, dem will ich mich jetzt schon entgegen stellen.

    Warum muss zudem der Namenswechsel außerhalb des Systems stattfinden? Wenn er außerhalb stattfinden kann, kann er das prinzipiell auch innerhalb. Warum soll z.B. ein Benutzer mit der Namenswechselei nicht eine quasi eine „Accountlöschung“ auslösen, wodurch sein ursprünglicher Zugangscode wieder frei wird – der dann im nächsten Schritt für das anlegen eines neuen Accounts verwendet wird? Das ist nur ein Beispiel, ich bin ITler genug um annehmen zu können, das man das automatisieren könnte. Die Nachvollziehbarkeit darf es ja genau nicht geben. (warum auch?!)

    Übrigens danke für die Einsicht in Deinem letzten Absatz: die Partei entscheidet, welche Weiterentwicklungen übernommen werden und welche nicht. Nun denn, reitet mal nicht so auf den Ergebnissen in LQFB rum… (das hört sich immer so an, als müsste der BuVo *gegen* die Basis entscheiden, was falsch ist)

  3. validom sagt:

    Noch was zum Bedarf… ich selbst werde nach dem BPT in Chemnitz meinen Account neu anlegen lassen. Das haben schon viele so vor, Stichtag soll Chemnitz sein.

  4. korbinian sagt:

    was ich nicht verstehe: warum setzt man nicht einfach 2 instanzen auf und testet welche regelwerke besser funktionieren? is ja alles open-source. zwei meinungsbilder sind in meiner welt besser als eins.

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