Es lebe der Unterschied!

Eine Debatte über Homosexualität im Fussball hat auch den Aspekt in die Diskussion gebracht, was denn an Lebensentwürfen als „normal“ gelten sollte.

Besonders bemerkenswert finde ich eine Petition eines baden-württembergischen Lehrers, der sich im Kern dagegen wehrt, im Unterricht auch andere Formen als das heterosexuelle als „normal“ zu vermitteln. Den Text kann ich ganz und gar nicht unterschreiben, dennoch finde ich die Definition von „normal“ spannend.

Was ist denn eigentlich „normal“ ? Gemerkt habe ich mir: normal ist, was an einem bestimmten Ort, zu einer bestimmten Zeit, eine bestimmte (zusammengehörige) Gruppe als normal empfindet. Der Begriff ist also per-se nicht klar definierbar und unterliegt damit ideologischen und politischen (Macht-)Kämpfen.

Bezogen auf den Staat als Gemeinschaft und damit Gruppe, muss selbstverständlich jeder Lebensentwurf als „normal“ gelten, sonst kommt es unweigerlich zu staatlichen Diskriminierungen. Vergleichen könnte man dies mit der Religionsfreiheit, bei der der Staat auch nicht vorgeben darf, was das Volk zu glauben hat und was nicht.

Aber was ist mit einer anderen Gruppe – sagen wir, der Familie? Eine heterosexuell geführte Familie wird es für sich als selbstverständlich annehmen, dass ihr Lebensentwurf (für sie) „normal“ ist. Wäre dem nicht so, käme es zu Problemen (Identifikation, Gefühl des Glücks…).

Die entscheidende Fragen nun ist: muss diese Familie andere Lebensentwürfe, die dem eigenen nicht entsprechen, auch als „normal“ ansehen? Nein. Weil diese Lebensentwürfe anders sind. Weil ggf. deren Werte, deren Überzeugungen, deren Handelungen anders sind. Sie als normal anzusehen käme der Akzeptanz, also des für sich Annehmens, des Übernehmens des anderen Lebensentwurfes, gleich. Und das widerspräche dem eigenen Lebensentwurf.

Vielmehr müssen andere Lebensentwürfe toleriert werden – im Sinne von Leben und Leben lassen. Mehr zu verlangen negierte den Unterschied. Unterschiede sind für eine plurale Gesellschaft wichtig und tragen die Vielfalt, die am Ende Fortschritt möglich macht. Es lebe der Unterschied!

 

Dieser Beitrag wurde unter Politik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Es lebe der Unterschied!

  1. tefasan sagt:

    O, der schwierige Normbegriff …. Sorry, aber der Kampf gegen Homophobie, den auch die Piraten führen, zielt klar darauf ab, dass auch andere Formen der Lebensführung zur gesellschaftlichen Norm gehören (sollen). Deshalb würde ich einen nicht-fachsprachlichen Begriff von „normal“, der sich auf das subjektive Empfinden einer Kleingruppe wie einer individuellen Familie bezieht, überhaupt nicht verwenden. Im übrigen kenne ich viele Familien (Mutter-Mutter-Kind, Vater-Vater-Kind …), die auch ihre Lebensform als „normal“ empfinden, sie aber eben nie als Norm für die Gesellschaft postulieren würden. Die „heterosexuell geführte Familie“ muss akzeptieren, dass auch andere Formen „normal“ sind. Zum Normbegriff: http://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Norm