Meinungsfreiheit und Religionskritik

Je suis charlie! Was da in Frankreich passiert ist und noch passiert ist eine abscheuliche Gräueltat und durch nichts zu rechtfertigen. Ich hoffe, dass die Täter schnellstmöglich festgenommen werden und sich vor einem ordentlichen Gericht verantworten müssen. Den Angehörigen der Opfer gehört mein Mitgefühl. Selbstverständlich muss es in unserer Gesellschaft erlaubt sein,  Meinungs- und Pressefreiheit auch so auszuüben wie es Charlie Hebdo getan hat und sicher noch weiter auf die Spitze treiben wird.

In der medialen Diskussion habe ich derzeit aber den Eindruck, dass Meinungs- und Pressefreiheit als Grundrecht unantastbar seien, dass eine Zeitung sich alles erlauben dürfe. Ja: kein Gesetz, keine Vorschrift darf Meinungs- und Pressefreiheit einschränken. D.h. aber nicht, dass jede Äußerung auch mit Vernunft oder gesellschaftlichen Übereinkünften (aka „Moral“) zusammen geht. Meinungsfreiheit hat Grenzen, sogar grundgesetzliche Grenzen.

Es ist mir klar, dass ich im Folgenden eine schwer vermittelbare Position erläutern möchte. Liberale Positionen sind immer schwer vermittelbar. Mich beschäftigt dies so sehr, dass ich es mit Euch diskutieren möchte.

Nehmen wir einmal an, ein Journalist, ein Karikaturist oder anderer Künstler nehme nicht eine durch Religion bestimmte Gruppe zum Anlass von Kritik und Häme – sondern eine durch sexuelle Orientierung, eine Hautfarbe oder andere Merkmale bestimmte Gruppe. Der gesellschaftliche Aufschrei wäre groß. Zu recht. Natürlich darf dies trotzdem keine Rechtfertigung für Tod und Terror sein. Dennoch: vernünftig wäre solche Kritik nicht.

Die religiöse Einstellung eines Menschen gehört für viele zu ihrer Identität, zu ihrer Person selbst. Genauso wie es die Hautfarbe oder sexuelle Orientierung ist. Wird daran Kritik geübt, wird die Person als Mensch selbst in Frage gestellt. Christen sind durch ihren Glauben aufgefordert das hinzunehmen, andere Religionen mögen das anders handhaben (ich weiß es nicht). Aber jeder würde verstehen, ja sogar fordern, dass Personen die wegen ihrer Hautfarbe in Frage gestellt werden, sich wehren. Natürlich nicht mit Tod und Terror – aber mit klaren friedlichen Signalen.

Sprechen wir Muslimen ab, sich (friedlich) gegen Kritik und Häme an ihrem Glauben zu wehren? Wenn ich mir die Medien anschaue glaube ich: ja. Wie ein Mantra wird von immer mehr muslimischen Vertretern gefordert zu sagen, dass solche Kritik in einer Demokratie doch wohl möglich sein müsse.  Natürlich ist sie nicht verboten. Sollte sie auch nicht sein. Aber gut finden? Nein, das müssen sie sicher nicht.

Für mich sind Bildung von muslimischen extremistischen Verbrechergruppen und deren Taten nicht wirklich überraschend. Wenn sich eine große Gruppe, also hier Millionen von Menschen, durch Kritik und Häme in ihrer Ehre verletzt sehen, wird es 0,0000000irgendwas Prozent an idiotischen, dummen Leuten in dieser Gruppe geben die solche oder andere abscheuliche Taten anrichten.

Dass diese Taten nun durch andere Idioten (Anführer der Pegida, AfD und co.) genutzt werden, um noch mehr verallgemeinernde Religionskritik zu üben, wird die Anzahl der Extremisten sicher nicht kleiner machen.

Meinungs- und Pressefreiheit muss in Verantwortung und Respekt vor anderen Menschen genutzt werden. Wenn es für eine Religionsgemeinschaft eine Beleidigung ist, ihren Gott überhaupt zu zeichnen, dann halte ich es für klug, es auch nicht zu tun. Erst recht nicht in beschämender Weise. Multikulturelles und multireligiöses Zusammenleben ist nur möglich, wenn man den anderen Menschen auch samt seiner Religion respektiert. Und ja, „Anti-Theisten“ (also Leute, die Religionen bekämpfen) sind an der Stelle besonders verantwortlich.

Mir ist ein friedliches, respektvolles Zusammenleben wichtiger als irgendwelche Karikaturen. Das bedeutet nicht, dass Gewalt in irgendeiner Art zu rechtfertigen wäre. Nein, wir als Gesellschaft müssen uns da klar dagegen zu Wehr setzen. Doch sind Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit gleichrangige Grundrechte und um Ende steht das Recht auf Leben über allen anderen Grundrechten.

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Eine Antwort auf Meinungsfreiheit und Religionskritik

  1. „Wenn es für eine Religionsgemeinschaft eine Beleidigung ist, ihren Gott überhaupt zu zeichnen, dann halte ich es für klug, es auch nicht zu tun. Erst recht nicht in beschämender Weise.“

    Wieso soll ich also zu religiösen Leuten tolerant sein die meine freie Meinungsäußerung nicht tolerieren ? Karikaturen sind freie Meinungsäußerungen, ein Menschenrecht ein Verfassungsrecht auf das ich sicherlich nicht verzichten werde nur weil ein par intolerante Steinzeitislamisten etwas dagegen haben. Ich bin nicht Tolerant mit der Intolleranz.

    „Die religiöse Einstellung eines Menschen gehört für viele zu ihrer Identität, zu ihrer Person selbst.[…]. Wird daran Kritik geübt, wird die Person als Mensch selbst in Frage gestellt.“

    Kritikfähigkeit ist teil der demokratischen Kultur, wer diese Demokratische Kultur nicht toleriert, also intolerant ist soll doch bitte die Koffer packen und in irgendein islamistisches Land umziehen, ich als Demokrat hab keinen Bock darauf das hier massenhaft intolerante Religioten einwandern und mir meine Meinung verbieten. Außerdem finde ich es ziemlich krass das du Kritik an Religion mit Rassismus und Homophobie gleichsetzt, damit wird doch jede Religionskritik in die Naziecke gestellt. Wer religiösen Fundis gegenüber nicht voll tolerant ist, ist also ein Nazi ? Tolle Wurst !

    Ich trete für absolute Zensurfreiheit an, auch im Internet und ich wehre mich dagegen das im Namen einer wie auch immer gearteten Pseudo Toleranz dinge wie harmlose Karikaturen infrage gestellt werden weil es irgendwelchen Religionsfundis aus dem geistigen Mittelalter nicht passt. Aus diesem Grunde habe ich u.a früher mal Piratenpartei Gewählt, aber da dort ja auch die Moralwichtel und Gutmenschen mit ihren Meinungsverboten Einzug halten werde ich das nun nicht mehr tun. Ein Nichtwähler mehr, Congrats.

    Apropos, ich hab mal ne kleine Kollektion an Mohammed Karikaturen zusammengestellt und hochgeladen, für alle die gute Humor zu schätzen wissen: https://archive.org/details/dogmuhammad