Content MAFIAA schneller als KiPo-Bekämpfer

Juni 15, 2009 by validom · Kommentare deaktiviert
Kategorie: Netzwelten, Privacy 

In der Aktuellen Debatte um Internet-Zensur wird ja immer mal wieder vorgebracht wie schwierig es doch sei illegale Inhalte von ausländischen (oder auch inländischen) Servern zu entfernen. Das liest sich jedes mal so, als ob man da überhaupt nichts machen könne.

Als TOR-Server Betreiber (mit fester IP) habe ich ja schon einige Erfahrung mit sog. Abuse-Meldungen. Das sind Nachrichten, die man als Betreiber bekommt wenn über sein Netzwerk “böse” Sachen gemacht werden. Für nur 48h hatte ich einen TOR-Exit-Node so konfiguriert, dass nur ein paar Ports gesperrt waren – nicht defenierte oder kaum gebräuchliche Ports waren offen. Nachher habe ich das wieder umgekehrt und lies nur noch spezielle Ports zu.

Während dieser 48h erreichte mich eine FLUT von Abuse-Meldungen mit teilweise haarsträubenden Drohungen. Allesamt kamen diese aus dem Kreise der sog. Content-MAFIAA, also den Vertretern der Unterhaltungsindustrie. Sie bezogen sich alle auf angebliche Bittorrent-Verbreitungen ihrer Werke über meinen Server.

Um da mal ein Beispiel hier zu bringen:

Entertainment Software Association
575 7th Street, NW, Suite 300
Washington, DC 20004 USA

Aufmerksamkeit:  Intellectual Property Enforcement
Telefon:  202-223-xxxx
E-mail:  mailto:esa@copyright-compliance.com?XXX(...)

14 May 2009 07:XX:XX GMT

ISP: [mein ISP]
ESA Aktenzeichen: [CASE ID]
IP Address: [IP ADDRESS]
Datum de verletzt: 14 May 2009 06:XX:XX GMT

Sehr geehrte Damen und Herren,

Die Firma Entertainment Software Association ("ESA") ist ein
Wirtschaftsverband, der die Interessen von zahlreichen Firmen
hinsichtlich deren Geistigen Eigentums in den Vereinigten Staaten,
Deutschland und anderen Staaten (die sog. ESA-Mitglieder) vertritt.
(...)
ESA wendet sich mit diesem Schreiben an Sie, (..) dass auf ihrem
Netzwerk oder System Material vorhanden ist, das die exklusiven
Urheberrechte oder sonstigen geistigen Schutzrechte von einem
oder mehrerer ESA-Mitglieder verletzt. (...)

Basierend auf der uns am 14 May 2009 06:XX:XX GMT zugänglich
gemachten Information verletzt nach unserer Auffassung die
Internetseite 88.198.XX.X die Rechte (...)

Title: XXXXXXXXX
Notice ID: 9484XXXX
Infringement Source: BitTorrent
Infringement Timestamp: 14 May 2009 06:XX:XX GMT
Infringement Last Documented: 14 May 2009 06:XX:XX GMT
Infringer Username:
Infringing Filename: HitmanXXXXXXXXXXx.iso
Infringing Filesize: 185XXXX584
Infringer IP Address: 88.198.XX.X
Infringer DNS Name: tor-proxy.va6.de
Infringer Port ID: 41778

(...) verlangt ESA hiermit
1. Unterrichtung des "Account-Holders" über die von
ihm eingestellten / angebotenen Fälschungen;
2. Entfernung bzw. Unzugänglichmachung (..)

3. Einleitung angemessener Maßnahmen gegen den
"Account-Holder" entsprechend ihrer internen
Nutzungsbedingungen, einschließlich der Kündigung
im Fall einer wiederholten Verletzung.

Bitte teilen Sie uns mit, ob Sie, (..)
entfernen bzw. unzugänglich machen werden. 

Hochachtungsvoll 

Intellectual Property Enforcement
Entertainment Software Association

Ich habe da ein paar Details unkenntlich gemacht.

Wichtig zu zeigen ist mir hier, dass zwischen dem Ereignis und der Benachrichtigung nicht mal eine Stunde vergangen war.  Natürlich habe ich denen meine Standard-TOR-Proxy-Antwort geschickt und dann nichts mehr von denen gehört.

Doch es macht deutlich, dass diese MAFIAA erhebliche Investitionen getätigt haben um ihre Pfründe zu sichern. Dieses System muss eine entsprechende Größe aufweisen, damit man auf meinen lächerlichen Beitrag von 4mb/sec im TOR-Netz aufmerksam wird.

Jetzt frage ich mich: warum geht das mit KiPo nicht? Die Aufmerksamkeit der ISPs und Server-Betreiber würde erheblich gesteigert und das Zeug wäre binnen kurzer Zeit vom Server endgültig verschwunden. Und dem Kunden wäre gekündigt bzw. sein Zugang gesperrt. Aber nein, unsere Behörden scheinen unfähig zu sein dies durch zu führen – und wollen lieber Sperren als löschen.

Abgesehen davon sind Meldungen wie solche von oben an TOR-Server Betreiber natürlich ein guter Witz. Selbstverständlich kündige ich hiermit allen meinen TOR-Kunden!1elf!!!

TOR auch trotz Vorratsdatenspeicherung legal

Januar 7, 2009 by validom · Kommentare deaktiviert
Kategorie: Netzwelten, Privacy 

Immer wieder mal werde ich gefragt, ob man denn nun seinen TOR-Server wegen der Vorratsdatenspeicherung abgeschalten müsse. NEIN.

Wie Patrick in seinem Blog ausführlich beschreibt gilt die Vorratsdatenspeicherungs-Pflicht nicht für unentgeltliche, Dienste. TOR, offene und kostenlose WLAN-Hotspots, I2P oder andere kostenlose anonymisierungsdienste sind daher weiter völlig legal – ohne Vorratsdatenspeicherungs-Pflicht.

Ich jedenfalls habe die Bandbreite meiner TOR-Nodes erhöht, da sich doch ein Abfall von exit-nodes seit dem 01.01.2009 fest stellen lässt. Ich möchte aber jeden ermutigen, weiterhin anonymisierungsdienste zu betreiben. Die Gefahr dabei in Ermittlungen “einbezogen” zu werden ist nicht höher als letztes Jahr.

Zudem trägt ein eigener TOR-Exit-Node im Abstellschrank, Keller o.ä. erheblich zur eigenen Anonymität bei!

Im gleichen Zug möchte ich aber darauf hin weisen, dass es als Betreiber von solch wichtigen Diensten wie TOR durchaus Sinnvoll sein kann sich ein wenig auf “Besuch” vor zu bereiten. Das ist relativ einfach – verschlüsselt einfach alle Platten, CDs/DVDs usw. Das kostet tatsächlich weniger Performance als man glaubt.

Auf ein freies und anonymes Internet!

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: