Piraten mit linkem Beißreflex?

In den letzten Tagen wird bei den PIRATEN durchaus heftig über die Auswirkungen der Beschlüsse des Landesverbands NRW diskutiert. Dortige Piraten hatten sich entschieden, für ihren Wahlkampf ein eigenes Landeswahlprogramm auf zu stellen. Zwar gibt es noch keine druckfähige Version dieses Wahlprogramms vom 28.02.10 – man muss sich die Beschlüsse der Mitgliederversammlung aus dem Protokoll ziehen. Doch wurde mir schon dadurch deutlich, dass da durchaus sehr kontroverse Forderungen beschlossen wurden.

Besonders nennen möchte ich da Forderungen bezüglich des Bedingungslosen Grundeinkommens der Grundsicherung, der Drogenpolitik oder der Themenblock Arbeit und Soziales. Da habe ich persönlich durchaus andere Meinungen. Hinnehmen muss ich zwar die Beschlüsse der dortigen Landesmitgliederversammlung allemal – aber kritisieren steht mir frei.

In dem Zusammenhang machte ich einige Erfahrungen mit ein paar Piraten, die mich überrascht hat. Weil ich laut darüber nach dachte, ob wir bei den Piraten eine Gegenbewegung zum „Linkstrend“ brauchen veröffentlichte ich auf Twitter einen Link zur „Aktion Linkstrend stoppen“ des CDU/CSU-Umfelds. Zugeben: ich hätte besser vorher mal auf deren Seite nach ganz unten scrollen und mir deren PDF durchlesen sollen. Darin enthalten sind einige sehr merkwürdige Forderungen, die sicher nicht zu mir und auch nicht zu den Piraten passen. Klarer #fail von mir 😉

Nach einer Nachfrage, ob ich mir dessen bewusst bin, schaute ich mir das PDF mal an und machte dann  auch per Twitter klar, dass ich mit den Inhalten nicht übereinstimme. Dies schien irgendwie nicht an zu kommen – denn was dann folgte waren üble Anfeindungen nicht nur in Twitter sondern auch per direkter Mail. Die Bezeichnung als „dumme Sau“ dort  ist noch harmlos zu dem, was ich per Mail erhielt.

Daraus leite ich einiges ab, was ich mal für mich als gelernt verbuche.

  1. Twitter eignet sich überhaupt nicht für schwierige Themen  – außer, man will absichtlich polarisieren. 140 Zeichen sind einfach nicht ausreichend für eine differenzierte Meinungdarstellung. Für was es dann noch gut für mich sein soll weiß ich noch nicht – nur Rumgeplänkel ist mir zu wenig. Als Ankündungsdienst ist es aber brauchbar.
  2. Wenn ich auf Seiten verlinke, sollte ich mir das (wieder) genauer anschauen.

Aber auch einiges, was mir so gar nicht gefällt.

  1. Das Thema „Linkstrend“ ist ein heißes Eisen. Gut, das wusste ich schon vorher. Aber dass es man das offenbar nicht wirklich diskutieren kann ist mir fremd.
  2. Offenbar gibt es bei den Piraten nicht nur vereinzelt Leute mit „linkem Beißreflex“. Also Leute, die auf alles und jeden sofort los dreschen die ihnen nicht als „konform“ vor kommen.
  3. Die Heftigkeit und Art der Angriffe gegen mich waren so beschaffen, dass sie die meisten dazu treiben dürfte ihren Mund zu halten oder klaglos unter zu gehen. Ich halte das zwar aus und muss es auch, sonst wäre ich für mein LV-Vorstandsamt nicht geeignet. Doch viele würden, so fürchte ich, dem nicht stand halten. Dies könnte auf lange Sicht dazu führen, dass die Leute mit dem genannten Beißreflex die Oberhand gewinnen. Wodurch viele Piraten ihre Expertise nicht einbringen können oder werden. Noch weiß ich nicht wie man dem begegnen kann – aber ich werde mich damit weiter beschäftigen.

Abschließend sei noch zu sagen, dass ich gegen die von mir kritisierten Personen nicht offiziell vorgehen werde. Meine Meinung über ihr Vorgehen habe ich denen aber mit sicherheit klar vermittelt. Jedenfalls werde ich mich nicht einfach damit abfinden, wenn einige wenige versuchen die Piraten zwischen Marx und Murks zu positionieren. Gleiches gilt für das andere extrem. Ich wünsche mir, dass wir solche Themen diskutieren können ohne unzivilisierten Trieben nach zu geben.

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