Wer nicht arbeiten will… ?

Bei der Diskussion um soziale Sicherungssysteme wird für mich eine Frage immer essentieller: Soll, wer nicht arbeiten will (aber könnte), auch Unterstützung erhalten? Wie viel oder wenig?

Gerade wenn wir über eine Grundsicherung vs. Bedingungsloses Grundeinkommen sprechen müssen wir diese Frage beantworten. Eine (bedarfsorientierte) Grundsicherung kann – muss aber nicht – eingeschränkt werden, wenn ein Empfänger ebendieser sich nachhaltig weigert, für sich selbst zu sorgen. Bei einem BGE stellt sich diese Frage nicht: jeder erhielt die Leistung, bedingungslos und immer.

Was ist erstrebenswert? Und wie verhält sich das mit der Realität?

Natürlich wäre es für mich verlockend wenn für mich gesorgt wäre – ich aber nicht mehr arbeiten müsste. Wäre zwar langweilig, aber ich könnte ja immer noch arbeiten. Müsste nur eben nicht mehr. Was für eine grandios-wundervolle Vorstellung – doch ist sie so alt wie des Menschen Streben. Denn die Realität sieht ganz anders aus. Irgendwer muss das Futter herstellen, irgendwer muss die mir meine alltägliche Zerstreuung ermöglichen (Fernsehen, Fitnesscenter, Theater, Kino .. und selbst wenn ich bastle muss vorher jemand das Werkzeug und Material dafür erstellt haben).

Kurzum: die Gesellschaft muss in gewissem Maße produktiv sein, damit sie mindestens Überleben aber besser noch Wohlstand des Einzelnen ermöglicht. Aus dieser Produktivitäsvorraussetzung ergibt sich ein gewisser Produktivitätszwang für Einzelne – der Zwang zur (wie auch immer gearteten) Arbeit.

Lässt sich daraus aber unbedingt ableiten: Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.“ ? Also auch in Kauf zu nehmen, dass Leute verhungern? Prinzipiell ja: wer nicht arbeiten will (aber kann), trägt nichts zur Gemeinschaft bei. DOCH galt dies meiner Ansicht nach nur, als wirklich ein jeder für die Herstellung von Nahrung gebraucht wurde. Heute müssen wir niemanden mehr Verhungern lassen, wir haben den Luxus auch Leute mit durchzufüttern, die nicht arbeiten wollen.  Allerdings darf das nicht die gesamte Gesellschaft erfassen: wenn doch, ist es mit dem Luxus dahin und es werden Leute verhungern müssen.

Was bedeutet das für unser Sozialsystem? Wir müssen dafür sorgen, dass Leute, die nicht arbeiten wollen (aber könnten!) nicht verhungern – sowohl physisch wie auch psychisch. Diesen Zustand dürfen wir aber nicht attraktiv genug gestalten, dass sich zu viele freiwillig in ihn begeben. Anders gesagt: die Existenz sichern.

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