Rente nach 45 Jahren Arbeit? Eine Scheinheiligkeit.

Derzeit wird die Rente mit 63 bzw. nach 45 Jahren Beitragszahlung (inkl. kurzer Arbeitslosigkeiten) heiß diskutiert. Gerade heute morgen in B5-Aktuell kamen hoch-bezahlte „Experten“ zu Wort, die vor bekannten Risiken gewarnt haben. Und ja, selbstverständlich hat diese Reform auch Risiken (wie jede andere auch) und selbstverständlich werden Lasten verschoben.

Mit 63 in Rente zu gehen, nach 45 Jahren Beitragszahlung bzw. kurzen Arbeitslosigkeiten unter einem Jahr Dauer, da muss man mit 18 (!) angefangen haben zu arbeiten. Mit 65 entsprechend mit 20 und die letzten, die davon noch profitieren sind die, die mit 21 angefangen haben zu arbeiten. Als Arbeit zählt hier übrigens auch die Berufsausbildung, jedoch nicht das Studium. Vernachlässigt werden dabei immer noch die, die mit 15 oder 16 Jahren eine Berufsausbildung begonnen hatten – die werden mit 63 Jahren dann immer noch bis zu 48 Jahre eingezahlt haben.

Die, die davon also profitieren, werden selten studiert haben. Bei all der durchaus interessanten Debatte fehlt daher dieser Aspekt: die, die das diskutieren und Gehör finden, werden vrstl. nie mit 45 Jahren Beitragszahlung in Rente gehen. Die, die da jetzt debattieren, haben zum überwiegenden Teil ihrer späten Jugend mit dem Studium zugebracht.

Liebe TV-Talkshows, Radiosender, sonstige Medien: lasst doch mal die zu Wort kommen, die es betrifft! Das sind überwiegend Leute, die im Vergleich zu Akademikern sehr geringe Einkünfte über ihr gesamtes Erwerbsleben erwirtschaftet haben. Das sind die, die wir um 6h morgens in der U-Bahn träfen, wenn unsere vergleichsweise bequemen Bürojobs nicht erst gegen 9h beginnen würden. Das sind die, die dafür sorgen, dass wir Besserverdiener ein bequemes Leben führen können. Also herrgottnochmal, lasst diese Leute nach so langer Arbeit in Rente gehen!

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