Liquid Feeback Extremisten aufhalten

Nicht lange ist es her, da gab es einen heftigen Streit in der Piratenpartei rund um das Liquid-Feedback System. Datenschutz vs. Transparenz – wie weit darf das gehen? Kritisiert wurden vor allem die ewige Speicherung der Abstimmungsdaten. Diese Daten umfassen Stimmabgaben, Unterstützungen, Anregungen, (auch ehemalige) Delegationen usw. – woraus sich über Jahre Persönlichkeitsprofile jedes Teilnehmers im System erstellen lassen.

Dieser Streit hat bis jetzt auch nicht aufgehört, er ist durch einen Kompromiss aber deutlich entschärft worden. Sogar ich, der sehr stark auf der Datenschutzseite argumentiert hat, habe diesen Kompromiss als gerade-noch tragfähige Vorgehensweise akzeptiert. Dieser sieht vor, die Abstimmungsdaten nach 4 Bundesparteitagen (was in etwa 2-3 Jahre entsprechen dürfte)  zu löschen. Damit bin ich nicht wirklich glücklich, die Transparenzverfechter auch nicht… also: ein super Kompromiss, man ist gleich unglücklich.

Doch nun läuft eine Abstimmung in diesen System, die mir die Hutschnur durchbrennen lässt. Der Initiator der extremen Initiative, der sich selbst “Liquid Feedback Extremist” nennt, fordert darin die Aufkündigung des erreichten Kompromisses – also die ewig-Speicherung von Abstimmungsdaten. Dies zwingt seine Gegner dazu, sowohl zum akzeptieren des erreichten Kompromisses aufzurufen als auch Gegenposition zu beziehen und die Forderungen nach mehr Datenschutz wieder zu artikulieren.

Was mir dazu einfällt sind zwei Sachen: bitte Stimmt in dem System zumindest für die Akzeptanz des Kompromisses! Wenn ihr Euch wegen Datenschutzproblemen nicht an der Abstimmung beteiligen wollt könnt ihr gern auf mich delegieren, ich erledige das für Euch und stehe damit für die Entscheidung ein.

Das zweite was mir einfällt ist eine (natürlich unsachliche) Triade gegen die Transparenznazis und Extremisten wie den o.g. Inititator. Ursprünglich wollte ich diese hier jetzt ablassen aber mein Amt als stv. Vorsitzender im LV Bayern verbietet es mir solche Auftritte zu wagen. Aber eins darf ich sagen: wenn diese Sache an einem Bundesparteitag zur Sprache kommt werde ich Himmel und Hölle in Bewegung setzen um die datenschutzfreundlichen Positionen der Piratenpartei auch im Liquid Feedback-System durchzusetzen – oder, wenn das nicht geht, Liquid Feedback auf die Müllhalde der Partei verfrachten!

EOD.

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11 Antworten auf Liquid Feeback Extremisten aufhalten

  1. WolfgangP sagt:

    “wenn diese Sache an einem Bundesparteitag zur Sprache kommt werde ich Himmel und Hölle in Bewegung setzen um die datenschutzfreundlichen Positionen der Piratenpartei auch im Liquid Feedback-System durchzusetzen – oder, wenn das nicht geht, Liquid Feedback auf die Müllhalde der Partei verfrachten!”

    WORD! Meine Unterstützung hast Du!

  2. Aleks A. sagt:

    “wenn diese Sache an einem Bundesparteitag zur Sprache kommt werde ich Himmel und Hölle in Bewegung setzen um die datenschutzfreundlichen Positionen der Piratenpartei auch im Liquid Feedback-System durchzusetzen”

    Und ich mit dir, auch wenn ich ein wiederum ein Kämpfer FÜR LQFB bin.

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  5. korbinian sagt:

    go vali! endlich traut sich mal jmd seinen mund aufzumachen!
    wär ja noch schöner wenn andere leute eine andere meinung haben und auch noch dafür werben!
    die schweigende mehrheit steht geschlossen hinter dir!

  6. Simon Weiß sagt:

    Mit Verlaub, es gibt einen sehr großen Unterschied dazwischen,

    1. einen Kompromiss aufzukündigen und
    2. Positionen zu einer eventuellen Neuverhandlung des Kompromisses in einem unverbindlichen Meinungsbild abzufragen (bitte nimm auch zur Kenntnis, dass hier weder die dauerhafte Speicherung bereits eingestellter Daten noch die Behandlung dieses Themas auf dem nächsten Parteitag gefordert wird).

    Hinter dem Kompromiss stehe ich vollständig. Tatsächliche habe ich in der letzten Woche im Auftrag des Bundesvorstands mehrere Arbeitsstunden damit verbracht, ihn in die Nutzungsbedinungen und die Datenschutzerklärung einzuarbeiten. Ich halte ihn bloß nicht für alle Zeiten in Stein gemeißelt.

    Die verlinkte Gegeninitiative ist verständlich, scheint mir aber von falschen Annahmen auszugehen, was die Absicht der ursprünglichen Initiative angeht.

    Erneute Forderungen nach “mehr Datenschutz” sind übrigens in LF nicht erst nach dieser Initiative aufgekommen, sondern schon davor; sie ist zu einem gewissen Grad auch eine Reaktion darauf als Formulierung einer Gegenposition.

    Simon, “LiquidFeedback-Extremist” (und dass jemand diesen Witz mal ernst nimmt hätte ich mir auch nicht vorstellen können als ich ihn in mein Profil geschrieben habe)

  7. tarzun sagt:

    ValiDOM, Du warst es auf dem LPT in Regensburg, der die Partei zur Mäßigung aufforderte und bat “nicht gleich die Spitzhacken rauszuholen”. Und nun das? Glaubst Du das “Transparenznazis” in irgendeinerweise hilfreich ist? Die “Tur_Bor”-eske “Meine Position oder Kaputtmachen”-Drohung ist es ebensowenig. Was willst Du machen wenn es wieder 80% für “alles offen” gibt? Fix nen Wasserwerfer aus Stuttgart holen und den Transparenzidioten mal den Kopf waschen?

    Das jemand *seine* Idealvorstellungen formuliert und schaut wie er damit in der Partei so ankommt ist absolut i.O. Und auch sehr wichtig, um überhaupt eine gemeinsame, (Kompromiß-)Position erarbeiten zu können. Jeder sagt was er gerne hätte, dann schaut man was technisch überhaupt geht und dann einigt man sich auf etwas, womit alle Leben können. So wie bspw. auf den Kompromiss vom 12.8.

    Bei der gegenteiligen “Extremposition”, der Forderung nach völliger Anonymität, warum kam da kein “Anon-Nazis verhindern, Kompromiss beibehalten”? Das ist genauso eine “radikale” Forderung wie die völlige und dauerhafte öffentliche Nutzung, nur halt von der anderen Seite. Diese Hybris, auf die eine Seite einzukloppen und die anderen “Extremen” zu ignorieren, is echt nicht hilfreich. Das ist dann kein “Kompromisswunsch”, dann sollte man ehrlicherweise *seine* Idealvorstellungen (eben “Anonym FTW”) artikulieren und Mehrheiten suchen.

    Ich habe übrigens *für* die Beibehaltung des Kompromisses *und* für die beiden “Transparenznazi”-Vorschläge gestimmt. In dieser Reihenfolge. Warum: Weil ich den Kompromiss akzeptiere und für sinnvoll erachte, aber auch weiß, daß da einige “Pseudo”-Sicherheiten drinstecken, die mehr “Schutz” suggerieren als es gibt.

    Und als Analogon zum Wiki, wo ebenfalls alles dauerhaft und ewig und öffentlich und googlebar gespeichert wird könnte *ich* auch mit einem LF in ähnlicher Konfiguration leben. Aber eben auch mit einem, welches nach 4 BPT “vergißt” auch wenn ich denke, das diese “Schutzmaßnahmen” eben mehr oder weniger snake oil sind.

    Ich glaube, das der aktuelle Kompromiss weitgehend mehrheitsfähig ist, aber auch die völlige Offenlegung eine (vermutlich etwas kleinere) Mehrheit finden könnte. Immerhin sind die ganzen Argumente und Bedenken auch in Bingen erörtert worden und lagen offen auf dem Tisch und trotzdem gabs 80%. Das können ja keine 800 Berliner Verfassungsfeinde gewesen sen… :)

    Aber wie gesagt: Der Kompromiss ist OK und kann gern beibehalten werden. Aber auf den politischen Gegner mit der “Nazikeule” einkloppen, nur weil der seine eigene “Idealvorstellung” legitimerweise einfach mal in den Raum wirft um zu eruieren wieviele das ähnlich sehen, statt mit der “schweigenden Mehrheit” zu “argumentieren”, das ist billig, unnötig, absolut nicht hilfreich und wir sollten so etwas bleiben lassen.

  8. validom sagt:

    @kobinian sag mal was muss ich für Drogen nehmen um die Aussagen in meinen Texten zu erkennen, die Du zu erkennen meinst?

    Natürlich gibt es Leute die eine andere Meinung haben. Natürlich nehme ich sie denen hiermit nicht. Demokratie bedeutet aber auch für/gegen Mehrheiten zu werben, zu kritisieren und auch mal ansagen zu machen.

  9. Monarch sagt:

    Volle Zustimmung zu diesem Blogpost!

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