BGE: Die zwei Grundirrtümer

Vor einigen Wochen hatte ich in „BGE: ein paar Fragen“ 5 Thesen formuliert. Alle  wurden durch Kommentatoren versucht zu widerlegen, bei einem davon ist das auch halbwegs gelungen, danke dafür. Es bleiben aber zwei Schwergewichte übrig.

Die FAZ schreibt dazu in einem Artikel über eine BGE-Studie von Götz Werner, besser kann man das kaum formulieren.

Ideen eines bedingungslosen Grundeinkommens beruhen „auf zwei grundlegenden Irrtümern“,  so wird  Clemens Fuest zitiert, der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats beim Finanzministerium. Diese sind

  • Es sei nicht genug Arbeit da.

Das ist falsch. Schaut Euch doch nur mal an, wie viele offene Stellen es gibt – woran es hapert, ist Ausbildung, Flexibilität und Vermittlung.

Zudem wird gerne behauptet, dass Vollbeschäftigung nicht möglich sei und allein deshalb der einzige Ausweg ein BGE sei. Auch falsch.  „Vollbeschäftigung“ im Sinne von 0% Arbeitslosigkeit wird es nicht geben und hat auch so noch nie existiert. Faktisch wäre eine echte Vollbeschäftigung für die Volkswirtschaft eher schädlich. Ein Ziel einer modernen Wirtschafts- und Sozialpolitik besteht darin, eine möglichst geringe Arbeitslosenquote zu erreichen um damit möglichst vielen Menschen durch eine angemessen bezahlte Beschäftigung eine Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen.

Der zweite fundamentale Irrtum

  • Menschen, die ein Grundeinkommen beziehen würden beginnen kreativ zu werden und zu arbeiten – ohne aber dazu einen wirtschaftlichen Zwang ausgesetzt zu sein.

Genau da kommt eine Ideologie ins Spiel, die schon lange als abgeschrieben gelten müsste. Gewisse Zwänge (denen man sich möglichst freiwillig unterwirft) muss es für ein funktionierendes Zusammenleben geben. Zudem gibt es einfach Arbeiten, die anstrengend und vielen (nicht allen) unangenehm sind – ohne die aber die Gesellschaft nicht funktionieren kann. An der Stelle schießt sich die Studie von Götz Werner dann auch ins Knie : sie zeigt genau auf, dass solche Arbeiten dann nicht mehr erledigt werden.

Deshalb wiederhole ich mich gern und rufe dazu auf, die unerträglichen Auswüchse von Hartz IV zu beseitigen. Dazu brauchen wir kein BGE.

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22 Antworten auf BGE: Die zwei Grundirrtümer

  1. 1000Sunny sagt:

    Hi ValiDOM,

    Du sagst an der einen Stelle kommt die Ideologie ins Spiel. Das bedeutet Du scheinst bescheid zu wissen. Kannst Du uns Quellen oder empirische Daten geben, die auf eine Nützlichkeit vom Zwang zur Arbeit hinweisen?
    Und welche Arbeiten sind das, die Du meinst?

  2. Andi Zottmann sagt:

    Argument 1: Es ist genug Arbeit da. 1. Nein, nicht für alle, vor allem bei geringqualifizierten Tätigkeiten ist eben nicht genug Erwerbsarbeit da bzw. die Löhne müssen aufgestockt werden.

    Argument 2: Du setzt offenbar immer noch auf Zwangsarbeit. Das jetzige Konzept ist auch hier die Löhne niedrig zu halten, indem Zwang ausgeübt wird (also „Vollbeschäftigung durch Lohndumping“). Mit BGE müsste man hier „einfach“ nur faire Löhne zahlen – dann werden diese Tätigkeiten auch verrichtet.

    Fazit: Das BGE wird im unteren Lohnsegment das bisherige (Arbeits-)marktversagen beheben. Aufgrund der H4-Zwangsarbeit ist die Balance aus Angebot und Nachfrage gestört, es gibt ein Überangebot an billigen Arbeitskräften. Das BGE wird hier für den Ausgleich sorgen.

  3. David Krcek sagt:

    „Mit BGE müsste man hier “einfach” nur faire Löhne zahlen – dann werden diese Tätigkeiten auch verrichtet“ – Andi Zottmann.

    Schöne These nur warum sollten mit BGE faire Löhne gezahlt werden ?

    „Fazit: Das BGE wird im unteren Lohnsegment das bisherige (Arbeits-)marktversagen beheben.“ – Andi Zottmann.

    WTF – also soll die Allgemeinheit für die Billiglöhne der Unternehmer zahlen. Klingt logisch, schliesslich zahlt die Allgemeinheit eh schon für alle möglichen Rettungsschirme.

    LL&P
    David

  4. validom sagt:

    Andi Zottmann: „Vollbeschäftigung durch Lohndumping“ ist kein präferiertes Mittel. Gesamtwirtschaftliche Lohnrückgänge können aber auch zur Konsolidierung wichtig sein. „Härten“ sollten wir m.E. mit einem branchenübergreifendem Mindestlohn begegnen.

  5. Stefan sagt:

    Bezahlen wir doch einfach die unbeliebten Arbeiten besser…dann löst sich das Problem oder? Wenn diese Arbeiten tatsächlich so gesellschaftlich wichtig sind sollten diese nicht auf Ausbeutung oder faktischen Zwang basieren, sondern, ja, freiwillig verrichtet werden.

    Ach und die Aussage ob genug arbeit da ist, ist abhängig davon was man als arbeit definiert. Natürlich gibt es immer was zu tun. Aber es wird nicht bezahlt. Es mangelt also an Erwerbsarbeit.. das ist keine Behauptung sondern ein empirischer Fakt (Arbeitslosigkeit). Selbst wenn der Grund für die Arbeitslosigkeit allein in der Friktion und den Suchkosten liegen würde, würde das nichts an dem Fakt der Arbeitslosigkeit ändern.

    Es gibt auch kein Grund anzunehmen, dass das Wirtschaftssystem zu Vollbeschäftigung tendieren würde… im Gegenteil gibt es belege für das Gegenteil. Ein Ausweg wäre die Menschen vom Staat einzustellen, das würde aber nur bei großer Ineffizienz Vollbeschäftigung erreichen… was dann wiederum hohe Kosten für die Volkswirtschaft bedeutet.

  6. validom sagt:

    Stefan, ich rate Dir die Studie oder zumindest den FAZ-Artikel doch mal zu lesen… da wird doch deutlich gesagt, dass, ich zitiere

    „Selbständige äußerten, dass sie mit einem staatlich gezahlten Grundeinkommen 4,6 Stunden in der Woche weniger arbeiten würden, und abhängig Beschäftigte würden ihre Wochenarbeitszeit um 4,2 Stunden verringern. Vor allem Hilfsarbeiter würden zu 33 Prozent ihre Arbeit „reduzieren oder vollständig einstellen“. Im Durchschnitt aller Berufsgruppen seien es 18 Prozent, unter Handwerkern, Wissenschaftlern und Künstlern 14 Prozent, die weniger oder gar nicht mehr arbeiten würden.“

    Dem Traum, „unbeliebte“ Arbeit einfach besser zu bezahlen habe ich auch. Nur wird doch im Umkehrschluss beim BGE diese Arbeiten niemand mehr machen wollen, egal wie hoch der Lohn ist? Man hat ja schon genügend Geld, warum dann dreckig machen…

  7. Stefan sagt:

    Also ist dein eigentliches argument, dass menschen freiwillig ihr arbeitsangebot verringern könnten. Irrsinnigerweise haben wir das heute auch schon nennt sich eben dann „arbeitslosigkeit“ und ist unfreiwillig. Die Leute die Freiwillig auf Geld verzichten, insbesondere wenns gut bezahlte Arbeit ist, möcht ich mal sehn ;)…. und wenn wo ist eigentlich das Problem wenn sich jemand entscheidet ein bescheidenes Leben zu führen? Daran erkenne ich nichts verwerfliches.

  8. Björn sagt:

    „sie zeigt genau auf, dass solche Arbeiten dann nicht mehr erledigt werden“
    Ich habe diese Studie nicht gelesen, aber das ist Quatsch mit Soße. Bei entsprechender Entlohnung wird sich für _jeden_ Job jemand finden. Demnach ist dieses Argument keines. Wäre man böswillig könnte man daraus sogar ein Argument dafür machen. Denn mit BGE müssten wichtige Arbeiten durch die Gesellschaft entsprechend entlohnt werden. Dann wären wir endlich an dem Punkt, den Politiker seit langem fordern, nämlich dass sich Leistung wieder lohnen muss. Ja ja, ich weiß, _so_ war das nicht gemeint. *hüstel*

    „Schaut Euch doch nur mal an, wie viele offene Stellen es gibt – woran es hapert, ist Ausbildung, Flexibilität und Vermittlung.“
    Vielleicht sind das alles so „tolle“ Jobs, wie oben beschrieben. Ich würde auch jemanden suchen, der mir für 10 EUR im Monat die Arbeiten rund um’s Haus, wie Rasen mähen und Schnee schippen, abnimmt. 😉

    PS: Zum BGE habe ich mir keine abschließende Meinung gebildet. Es gibt wichtigeres.

  9. David Krcek sagt:

    “ Die Leute die Freiwillig auf Geld verzichten, insbesondere wenns gut bezahlte Arbeit ist, möcht ich mal sehn “ — Stefan

    Das Problem ist, daß es immer einen Haufen von Drecksarbeit geben wird, die zudem nicht besonders gut bezahlt ist. Ist traurig wird aber immer so bleiben.
    Beispiele gefällig ?
    Nachtschichten im Pflegeberufen, Dauereinsätze im Polizeidienst, Briefträger …
    Das Problem ist, daß sich unsere Gesellschaft das nicht mehr leisten kann oder will.
    Ein BGE behebt das Problem auch nicht, sondern hebt es einen Level höher, denn was nützt dir Dein BGE Einkommen, wenn die Lebenshaltungskosten um den selben Level nach oben gehen, Geld vermehrt sich mal nun nicht von selbst, ausser bei einigen Bankern.

    LL&P
    David

  10. Jorges sagt:

    Ein Ziel einer modernen Wirtschafts- und Sozialpolitik besteht darin, eine möglichst geringe Arbeitslosenquote zu erreichen um damit möglichst vielen Menschen durch eine angemessen bezahlte Beschäftigung eine Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen.

    Und sehe da einen anderen Fokus: Ziel der Wirtschaft sollte sein, die Bedürfnisse der Menschen optimal zu befriedigen mit einem möglichst geringen Ressourcenaufwand (sowohl materiell als auch bezogen auf Arbeitskräfte). Aufgabe der Wirtschaft ist es gerade _nicht_, Menschen zu beschäftigen um der Beschäftigung willen.

    Wir erleben ja unzweifelhaft eine Steigerung der Produktivität. Weniger Menschen werden gebraucht, um die gleiche Menge an Wohlstand bereitzustellen. Dieser Effizienzsteigerung begegnen wir nun, in dem höherer Wohlstand produziert werden soll. Wäre es aber nicht zumindest ebenso sinnvoll, diese Effizienzsteigerung für mehr Freiheit und Selbstbestimmung zu nutzen?

    Der erste Schritt, der manchen da einfällt, ist Arbeitszeitverkürzung. Allerdings beschneidet er ja auch die Freiheit, mehr zu arbeiten, widerspricht also seinem eigenem Ziel.

    Ein BGE dagegen ermöglicht unendliche Effizienzsteigerungen ohne negative Folgen für die Sozialpolitik, gleichzeitig aber auch für jeden einzelnen große Selbstbestimmung (also auch Entscheidung für mehr Arbeit und damit auch mehr Einkommen). Die radikalste Form des Kapitalismus und Sozialismus also. 🙂

    Zudem gibt es einfach Arbeiten, die anstrengend und vielen (nicht allen) unangenehm sind – ohne die aber die Gesellschaft nicht funktionieren kann. An der Stelle schießt sich die Studie von Götz Werner dann auch ins Knie : sie zeigt genau auf, dass solche Arbeiten dann nicht mehr erledigt werden.

    Nein, sie zeigt auf, dass diese Arbeiten dann nicht zu den heutigen Bedingungen mehr durchgeführt werden. Damit sie weiter durchgeführt werden, könnte man sie besser bezahlen oder die Arbeitsbedingungen verbessern.

    Deshalb wiederhole ich mich gern und rufe dazu auf, die unerträglichen Auswüchse von Hartz IV zu beseitigen.

    Was genau sind für dich diese „unerträglichen Auswüchse“? Sind es die Sanktionen? Wenn jeder Hartz4 bekommen kann ohne eine Kürzung zu befürchten, wer wird dann noch – um mal Dein Argument aufzunehmen – die unangenehmen Arbeiten machen?

    Wenn Du weiterhin sanktionieren willst: Wie überprüfst Du, ob jemand arbeitswillig ist? Musst Du dazu nicht Daten sammeln?

  11. validom sagt:

    Hallo Jorges, vielen Dank für Deine Antwort.

    Bei Hartz 4 geht es mir sowohl um die Sanktionen wie auch um die (Vorbeugende) Überwachung. Siehe dazu den letzten Abschnitt in

    http://validom.net/blog/2010/11/08/das-bge-der-neuen-gemeinschaft-und-einschraenkungen-der-freiheit/

  12. Marco sagt:

    1. Die meisten bGE-Befuerworter behaupten nicht, dass nicht genug Arbeit da ist. Wir sollten uns nur endlich mal klar machen, dass *nur* weil wir die Arbeit in unserem Denksystem nicht bezahlen koennen, wir nicht glauben sollten, wir koennen sie uns nicht mehr leisten. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Im Grunde haben wir menschheitsgeschichtlich (zumindest mind. mal hier in Europa) mehr Freiraeume als je zuvor. Nur haben wir das (noch) nicht begriffen.

    „Es laeuft eben so und letztlich ist sich jeder selbst der naechste“, so der oft einhellige Kanon. Dieses Denken fuehrt uns am Ende ins Chaos.

    2. Theoretisch sollte es doch auch *ohne* ein bGE so sein, dass sich jeder seinen Beruf selbst auswählen kann, oder? Wer macht denn eigentlich die immer wieder im Beispiel bemuehte schmutzige Arbeit, wenn sich jeder seinen Beruf selbst aussuchen kann, weil genug „Erwerbsarbeit“ da ist? Leute, Zwangsarbeit ist verboten!
    Dass wir das heute nicht (mehr) so wahr nehmen hat andere Gruende.
    Und trotzdem macht es jemand.

  13. Jorges sagt:

    Bei Hartz 4 geht es mir sowohl um die Sanktionen wie auch um die (Vorbeugende) Überwachung

    Gut! Aber dann möcht ich gern wissen: Wer macht noch die unangenehmen Arbeiten zu niedrigen Löhnen, wenn er sein Leben lang sicheres Hartz 4 in voller Höhe kriegen kann?

  14. validom sagt:

    Jorges: wenn Du den Artikel genau ließt wirst Du feststellen, dass es mir eben NICHT um bedinungslose Leistungen aus SGB II geht. Vielmehr geht es darum, vorbeugende Überwachung abzubauen.

    Ein Beispiel: wenn Du Rechnungen nicht mehr bezahlen kannst dann gibst Du eine eidestattliche Erklärung ab, dass Du das nicht kannst. Kommt Dir aber nachher wer drauf, dass Du es doch kannst, dann landest Du schnell sogar im Gefängnis.

    Und genau hier möchte ich ansetzen: es muss ausrechen wenn Bedürftige *versichern* (notfalls an Eides statt), dass sie die Hilfe wirklich brauchen.

    Vali

  15. Jorges sagt:

    Hallo ValiDOM, ok, aber damit hast du nicht erklärt, wie Du Sanktionen abschaffen möchtest. Soll jemand, der nachweislich über kein anderes Einkommen verfügt, aber dennoch nicht bereit ist, eine angebotene Stelle anzunehmen, weiterhin volles ALG 2 kriegen?

  16. Stefan, der 2. sagt:

    Hallo,

    ich höre hier ein reges hin und her an Argumenten und freue mich, dass die Diskussion konstruktiv an Fahrt gewinnt.. Ich möchte einen kleinen Blick in die Zukunft werfen. Ich studiere an einer technischen Universität und möchte, im Hinblick auf das vielgenannte Arbeitsplatzangebot, den Arbeitsplatzmangel und die Erledigung dreckiger und unangenehmer Arbeiten, einen Einblick in die aktuelle Forschung geben.

    Wir beschäftigen uns hier im Auftrag der Wirtschaft stark mit möglichen Automatisierungsmaßnahmen. Beispielsweise werden Algorithmen entworfen um die Qualitätsprüfung (Fadenstärke, Texturfehler, Webfehler) in der Textilindustrie zu automatisieren und geeignete Korrekturschritte automatisch einzuleiten. Eine Arbeit für die im Moment noch viele Menschen nötig sind.

    Außerdem wird an automatischen Reinigungsmaschinen (Robotern) geforscht. Erste Prototypen sind bereits im Handel erhältlich, bringen aber noch mäßige Leistung. Aber denken wir uns mal 20 Jahre weiter. In großen Bürokomplexen mit wenigen Hindernissen ist es durchaus vorstellbar, dass Maschinen arbeiten werden, die staubsaugen, wischen, polieren und bohnern viel effizienter erledigen als es Menschen könnten.
    Wir haben schon Prototypen von selbstreinigenden Toiletten und automatischen Müllwagen, die lediglich mit einem Fahrer auskommen.
    Es ist bereits eine starke Tendenz da, unliebsame Arbeit auch heute schon zu automatisieren.
    In Aachen steht das Forschungsinstitut für Rationalisierung, dass stark an der Effizienzsteigerung mitwirkt.

    In der Produktion wird uns wirklich immer mehr die Arbeit ausgehen. Denn hier wird die Automatisierung in den nächsten Jahren immer weiter zunehmen und das ist der Sektor in dem wir „erwirtschaften“.
    Zudem wandern immer wieder Unternehmen ins Ausland ab, um günstiger zu produzieren. Worüber sich hier viele aufregen ist aber ein ganz natürlicher Prozess unseres Kapitalismuses.

    Deswegen ist es dringend nötig, dass wir den Sprung zur Dienstleistungsgesellschaft schaffen. Hier ist noch sehr viel Arbeit vorhanden und die wird uns auch in Zukunft nicht ausgehen. Hier kann nicht automatisiert und nicht abgewandert werden. Wohin sollen der Psychologe, der Arzt, die Krankenschwester, der Lehrer denn gehen?
    In den Alten-, Kranken- und Pflegeheimen, in den Kindergärten und Schulen ist soviel zu tun. Nur haben wir ein Problem: „Wer soll das bezahlen?“
    Hier tritt der Unterschied zwischen Maschinen- und Menschenarbeit zu Tage. Maschinen arbeiten billig. Menschen müssen leben. Die Tendenz ist momentan durch den Druck der Maschinenarbeit den Menschen auch in seinem Lohn drücken zu wollen. Wir rufen nach gerechtem Lohn für ordentliche Arbeit, aber wie soll das vonstatten gehen, ohne dass immer weniger Menschen für mehr Geld auch immer mehr Arbeiten müssen?

    Mein Fazit: Es geht hier zum einen um die Konkurrenz zwischen Mensch und Maschine. Wir müssen einen Weg finden menschliche Arbeit besser bezahlbar zu machen. Das kann das Bedingungslose Grundeinkommen leisten. Es ist kein Lohndumping, denn Lohndumping ist an die Bedingung geknüpft, dass derjenige einen Lohn bekommt. Vielmehr ist es eine Subvention für die menschliche Arbeit. Es ermöglichst erst menschliche Arbeit. Frei nach dem Motto: „Deine Arbeit ist immer unbezahlbar, wir ermöglichen dir nur dich in der Weise zu betätigen, wie du es für richtig hälst.“
    Wir müssen als Gesellschaft unseren Fokus ändern. Statt wie bisher den Menschen dazu auszubilden später in irgendeinen Job zu passen sollten wir dem einzelnen die Möglichkeit geben für sich zu erkennen worin seine Talente und Präferenzen liegen. So steigt die Produktivität aus einem anderen Blickwinkel ganz natürlich: „Wer seine Arbeit gerne macht ist viel produktiver als der, der sie nur des Geldes wegen ausführt.“
    Dazu muss aber der Arbeits- und Gesellschaftsdruck, wie wir ihn heute haben verschwinden. Diesen Weg können wir mit Hilfe des Bedingungslosen Grundeinkommens gehen. Letztendlich muss sich jeder die Frage stellen: „In welcher Gesellschaft wollen wir leben?“

  17. Jorges sagt:

    Hallo Stefan, der 2., ich finde Deinen Kommentar sehr interessant und würde ihn gern weiter verbreiten. Könntest Du kurz mit mir Kontakt aufnehmen? Meine E-Mail: georg@jaehnig.org

  18. Stefan, der 2. sagt:

    Einen kleinen Nachtrag zu meinem Kommentar noch aus dem sich für mich ganz eindeutig das Grundeinkommen ableitet:

    Früher waren Hundertschaften an Feldarbeitern auf den Feldern damit beschäftigt zu ernten und zu säen, damit wir genug zu essen hatten und mussten dennoch in schlechten Jahren um die Ernte fürchten.
    Heute erledigen diese Arbeit ein Bruchteil der Menschen mit Traktoren und Mähdreschern.

    Früher webten unzählige Menschen mühsam, damit die Familie sich warm anziehen konnte.
    Heute entstehen in riesigen Fabriken Tonnen an Kleidungsstücken.

    Früher waren viele, viele Bauarbeiter notwendig um ein Haus zu bauen.
    Heute gibt es Fertighäuser, Kräne, Bagger und es werden immer weniger Menschen auf dem Bau benötigt.

    Und jetzt denkt mal einen Schritt weiter. Wie wird es wohl morgen aussehen?
    Wir bewegen uns auf einen Zustand zu bei dem kaum noch Menschen an der Erfüllung unserer Grundbedürfnisse: Essen, Wohnen, Kleidung, beteiligt sind.
    Das bedeutet auch, dass die Preise dieser Waren einen Tiefststand erreichen.

    Also: Wenn wir nicht mehr für unsere Grundbedürfnisse arbeiten müssen und diese uns beinahe nichts kosten, dann sollen sie doch bitteschön jedem zur Verfügung stehen und zwar rückwirkend vergütet als bedingungsloses Grundeinkommen.

    Das ist keine Leistung eines Wohltäters, sondern der letzte Rest Menschlichkeit in einer Überflussgesellschaft.

    In diesem Sinne.

  19. Michael Molli sagt:

    Guten Tag,

    ich wollte nur bemerken, daß mir die Herleitung von Stefan sehr gut gefallen hat.

    Ich hoffe mit meinem ganzen Herzen, daß wir uns in naher Zukunft von einer raubtierkapitalistischen, marktradikalen, menschenverachtenden Gesellschaft hin zu einem Lebensraum entwickeln, welcher für ein glückliches Leben aller Menschen geeignet ist, und nicht nur einer gewissen Elite.

    Es warten so viele dringende Probleme in der Warteschlange darauf endlich angegangen und gelöst zu werden. Aber um überhaupt die Handhabe dafür zu erlangen tätig zu werden, brauchen wir das bedingungsloses Grundeinkommen als Regulatorium.

    Es geht hierbei um alles was einen Menschen ausmacht. Entweder wir entscheiden uns für die eiskalte Hand des Kapitalismus mit seinem Konsumzwang und autoritären Bevormundung, oder führen eine neue, den Umständen angemessene Area des Humanismus ein.
    Für mich gibt es keine Sekunde des Zögerns, denn der zweite Weg ist der Weg des natürlichen Menschenverstandes.

  20. validom sagt:

    Hallo Stefan. Schön, dass Du die technologische Entwicklung beschreibst. Diese Argumente wurden aber schon zu den Anfangszeiten der Industrialisierung vorgebracht… Automatisierung vernichtet Arbeitsplätze! Korrekt. Macht aber nichts, es gibt immer was zu tun/zu verdienen. Oder hätte jemand in den 50iger Jahren daran gedacht, wie viele heute in der IT arbeiten?

  21. Stefan, der 2. sagt:

    Hallo validom,

    und diese Argumente die schon zu Anfangszeiten der Industrialisierung bekannt waren, haben sich als richtig erwiesen. Natürlich gibt es viele Arbeitsplätze im IT-Bereich. Aber die Auswirkungen der Automatisierung sind offen sichtbar, wenn man nur mal hinschauen möchte.

    Keine Branche hat es bisher geschafft den zunehmenden Abbau der Arbeitsplätze zu stoppen. Auch nicht die IT-Branche. Sie kann lediglich einen kleinen Teil auffangen und auch hier greift die Rationalisierung um sich.

    Ich stimme dir zu, dass es mehr als genug Arbeit zu tun gibt. Aber eben in den Dienstleistungen. Wie ich schon erwähnte brauchen wir jetzt und in Zukunft gerade im sozialen Bereich, im Gesundheitssystem und in der Bildung unglaublich viele Menschen. Unser Problem ist aber, dass wir diese Menschen nicht vernünftig bezahlen können. Deswegen sinken die Löhne und Arbeitsbedingungen in diesen Bereichen auch. Wir drehen uns damit in einem System im Kreis, dass sich nur durch Zwang und den Abbau der Menschenrechte aufrechterhalten lässt.

    Ich habe Lehrer gesehen, die psychisch dem Druck ihrer Arbeit nicht standhalten konnten. Das Burn Out-Syndrom ist hier sehr verbreitet.
    Krankenschwester und -pfleger hetzen von einem Patienten zum anderen. Teilweise wir das Essen auf den Fluren kalt, weil niemand Zeit hat es an die Patienten zu verteilen.
    Die Altenheime sind zwar überfüllt, aber jetzt ächzt jeder schon über die hohen Preise. Was meinst du was passieren würde, wenn wir so viele Altenpfleger einstellen würden, dass die Arbeit für die Angestellten wieder befriedigend würde, anstatt sich so abzuhetzen und wenn man diese auch noch vernünftig bezahlen würde?
    DIe Kindergärtnerin bekommt in den ersten beiden Ausbildungsjahren gar kein Gehalt, damit das System stehen bleibt.

    Da ist etwas faul, aber ganz gewaltig. Für mich ist dieses System marode und ich halte das Grundeinkommen für eine gute Perspektive verstärkt aus eigener Kraft Lösungen zu finden. Klar ist für mich, dass es einige richtig große Reformen braucht und auch revolutionäres Denken. Bisher wird kein anderes, für mich zufriedenstellendes, Modell zur Lösung dieser Probleme diskutiert.
    Ich bin ja offen für neues, wenn du Ideen hast, dann zeige Alternativen auf anstatt eine ernsthafte Möglichkeit zu verdammen an die viele glauben.

  22. Josesph sagt:

    Wie wollen Sie das System verbessern ?,
    Bis jetzt sehe ich Druck und diskriminierung von denen, die glauben tatsächlich die Armen Menschen mit Solidrität Zwangsunterstützen zu müssen.
    Entweder Ellbogengesellschaft und jeder kämpft für sich oder wir Leben in einer Gemeinschaft. Die Folgen vom BGE sehe ich nicht wie sie die sehen. Das ist reine Spekulation. Es kann genausogut auch anders ablaufen. Aber das BGE gibt einem die Möglichkeit selbst mit dem Geld umzugehen und sein eigenes Leben ohne Bevormundung selbst zu bestimmen, was für mich absolute Priorität hat.
    Gruß