Kurz: Fachkräftemangel

Die Bundesregierung hat heute ein neuerliches Konzept zur Bekämpfung des Fachkräftemangels verabschiedet. Heute morgen gab es dazu im ZDF Frühstücksfernsehen ein Interview mit einem Kritiker, der den Fachkräftemangel angesichts von über 3 Mio (bzw. 5 Mio, je nachdem wie man rechnet) Arbeitssuchenden verneint.

Ich möchte dazu nur kurz anführen, dass meine Firma seit über einem Jahr ABAP-Entwickler (SAP) sucht und keine findet. Und zwar auch nicht mit astronomischen Gehaltsangeboten. Das mag zwar auch an der Gegend liegen (München), uns erreichen aber erst gar keine Bewerbungen aus denen wir auswählen könnten. Da ich schon in einem sehr internationalem Team arbeite, konnten wir jetzt über Direktkontakte nach Süd-Indien 2 Entwickler von dort anwerben. Sie ziehen in den nächsten Monaten nach München um, die Firma trägt die kosten.

Was ich deshalb im Konzept der Bundesregierung vermisse ist vor allem Unterstützung bei der Suche nach potenziellen Arbeitnehmern auf nicht-europäischen Arbeitsmärkten. Hätten wir nicht schon direkte Kontakte, wären unsere Jobangehote da niemals angekommen. Zudem sind die Hürden (Arbeitsgenehmigung, Aufenthaltsgenehmigung etc.) auf der einen Seite sehr hoch weil ultra-Bürokratisch – auf der anderen Seite sollen sie aber an der falschen Stelle gesenkt werden: beim Mindest-Einkommen. Das soll von 66kEUR/Jahr auf 40kEUR im Jahr runter gehen. Für mich und meine Branche nicht sehr erfreulich 😉

Was meint ihr dazu?

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4 Antworten auf Kurz: Fachkräftemangel

  1. Jens sagt:

    Programmiersprachen kann man lernen. Als ausgebildeter Informatiker sollten dazu wenige Wochen reichen. Ich weiß nicht, wie schrecklich ABAP inzwischen ist – möglicherweise fällt da ein ganz erheblicher Schmerzensgeld-Zuschlag an.

    Aber wenn man natürlich meint, man könnte ohne Einarbeitung jemanden mit genau den richtigen Kenntnissen finden, am besten noch für deutlich weniger als 66k Euro – nun, dann meint man das halt.

  2. validom sagt:

    jens: wir haben auch „Junior“ und Studienabgänger (Bachelor reicht) gesucht. Auch Fehlanzeige. Hier geht es also nicht um den klassischen Senior-Suche-für-Lau Fall.

    Natürlich lässt man sich gern vorwerfen, man könnte doch ausbilden. Im Dualen System lässt sich SAP/ABAP aber nicht ausbilden, keine Berufsschule unterstützt das. Nicht umsonst haben die meisten SAPler Queereinsteiger-Qualitäten: Erfahrungen aus dem Vertrieb, Finanzen oder der Informatik werden mit den jeweils neu benötigten Kenntnissen gemischt. Wie man das Lösen soll? Keine Ahnung, evtl. ist es sogar besser es nicht zu lösen: das Problem dürfte ein Grund für die relativ hohen Gehälter sein 😉

  3. Jack sagt:

    Jemanden mit Grundkenntnissen, der bereit zur Weiterbildung ist, einstellen. Auf Schulungen schicken, Wissen von Kollegen weitergeben. Selber ausbilden, das muss nicht eine duale Ausbildung sein, die sollte er schon hinter sich haben (Grundkenntnisse). Bildung lässt sich doch auch anders vermitteln.

    Ursache von Fachkräftemangel ist eine zu geringe Bereitschaft selber als Betrieb in die Bildung zu investieren!

  4. Jens sagt:

    Fachwissen wird immer kurzlebiger. Wie reagieren wir darauf? Wir reduzieren die Ausbildungsinhalte auf Fast-Food-Niveau … DAS kann natürlich nicht klappen …

    ABAP als Ausbildungsinhalt würde ich jetzt auch für selten dämlich halten. Das Problem ist so eng wie gestellt hoffentlich in der Tat nicht lösbar. Bzw., ich sehe das Problem auch überhaupt nicht. Wir haben offenbar keinen Fachkräftemangel, sondern einen Fachidiotenmangel. Und das ist auch gut so.

    Wenn ich manche IT-Blogs irgendwelcher Inder lese (zu Themen wie: wie umgehe ich die Bugs in unausgereiften Apache-Produkten), dann glaube ich allerdings auch, dass man dort in der Tat fündig werden könnte.