Die Krux an IP-TV

Heute hatte ich eine sehr anregende Diskussion mit Ben, der mir für die Zukunft vorhersagte, dass Medienbroadcast über Satellit, Kabel und terrestische Verbreitung durch IP-Übertragungen abgelöst werden. Er vertrat die Meinung, dass man deshalb Technologien wie DVB oder DAB+ nicht fördern sollte. Ich möchte dem hier  widersprechen.

Natürlich stellt IP-TV, sei es „echtes“ IP-TV über Multicast oder einfaches „WebTV“ über Unicast, einen weiteren nicht zu unterschätzenden Verbreitungskanal für Inhalte dar. Meiner Meinung nach hat dieser aber einen entscheidenen Nachteil: es ist und bleibt Multi- oder Unicast. Mal abgesehen von der Einschränkung, dass man nur ein oder vielleicht zwei Streams auf einmal empfangen kann: bei dieser Technologie erfährt der Betreiber, wer, von wo, mit welchem Gerät wie lange welche Sendung schaut.

Im Gegensatz zum BROAD-Cast: hier befinden sich alle (DVB-) Streams zum selben Zeitpunkt auf dem Träger (Satellit, Kabel, terrestrisch). Dadurch kann der Betreiber bzw. Sender nicht herausfinden, wer da gerade zuschaut. Selbst wenn gar niemand zuschaut, wird der Stream immer noch in voller Bandbreite da sein. Letztere ist übrigens nicht ganz unerheblich: in einem herkömmtlichen Coax-Kabel laufen leicht 400 TV-Kanale gleichzeitig und jedes davon kommt locker auf 2-10 oder gar 20 MB/sec (HD-Kanäle). Wir landen bei der Bandbreite so spielend im zweistelligen Gigabit-Bereich. Ähnliches gilt für die Satelliten-Übertragung. Solche Bandbreiten werden auf absehbare Zeit nicht in Haushalten als IP-Anschluss zur Verfügung stehen, wodurch Broadcast für IP-TV ebenfalls bis auf weiteres unmöglich ist.

Neben dem Datenschutz- und Bandbreitenproblem kommt noch hinzu, dass sich der Komfort von IP-TV bislang doch in grenzen hält. Die Umschaltzeiten sind grottig (mehr als 1-1,5 Sekunden), die Stream-Bitraten auch bei HD-Kanälen recht niedrig – ganz zu schweigen von der Auswahl der verfügbaren „Empfangs“-Geräte.

Alles in allem erscheint mir IP-TV also kein echter Ersatz für Broadcast-Technoligien zu sein. Wenn dies auch nicht vollumfänglich für Radio gilt, da hier die Bandbreitenanforderungen geringer sind, so bleibt auch dort das Datenschutzproblem. Deshalb meine ich, sollte die Förderung von Broadcast-Trägern nicht eingestellt werden – ja sogar ausgebaut werden, Stichwort DAB+.

 

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2 Antworten auf Die Krux an IP-TV

  1. Volker sagt:

    Sehr guter Beitrag Vali!

    Jedoch im letztem Absatz sehe ich meine Zweifel…..

    Beispiel DAB:

    Eine Todgeburt…..Erst langsam und gemächlich kommen die ausländischen Hersteller von Autoradios mit 2,3 Modellen auf den Geschmack DAB zu integrieren. Meines Wissens hat fast kein Automobilhersteller in den Werksradios integriert…

    DVB-T geht es ähnlich. Ich habe Glück ein paar Programme (jedoch nicht gleichzusetzen mit der Auswahl in München/Nürnberg) zu Empfangen, da eine Sendeanlage des BR keine 3km Luftlinie von meinem Haus weg ist. Jedoch gilt auch hier: Zu schwache Verbreitung und wenig Auswahl.

    Grüße

    Volker

  2. Falsch wiederzugeben ist falsche wiedergabe. Ich redete von DAB+, dessen Förderung Geldverschwendung ist. Über Satelliten diskutierten wir gar nicht. Über das Kabel nur sehr bedingt.

    Aber hey, den anderen mal in die Idiotenecke stellen, hat man es leichter Bullshit gut aussehen zu lassen.

    So jetzt mal ehrlich: DAB+ ist eine Totgeburt, genau wie DVB-T. Es wird kaum jemand verwenden. Wenn ich mir Freunde und bekannte anschaue (und ich rede hier jetzt nur über die Non-Nerds) dann machen die schon folgendes: Hören mit dem Smartphone mobile Antenne Bayern. DAB+? Hört keiner, nicht mal die fucking Nerds.

    Wenn das Nutzerverhalten aber in diese Richtung geht (und das ist meine fucking Behauptung die du ja gar nicht widersprichst sondern nur sagst „wir müssen das andere fördern“) dann halte ich es für absolute Geldverschwendung Geld in eine Tote Technologie zu stecken wie DAB+. Das Geld ist genauso verschwendet wie bei DVB-T. Einziger Grund wäre: Man hätte massive Vorteile.

    Nur, haben wir die? Wenn wir hier im Radio denken, dann denken wir über Zeiträume von 10 Jahren. In dieser Zeit wird es aber (wenn der Staat darauf besteht flächendeckend) aber schnelles Mobiles Internet geben, es beginnt ja schon (siehe LTE) – der Breakthrough ist da, die Leute wollen Mobil das gleiche Erlebnis und Auswahl haben wie daheim am PC. Für mich ist der Trend klar und die Zukunft auch. Du willst dich wie ein Don Quijote auch mit meinen Steuergeldern entgegenstellen. Buttern wir eben öffentliches Geld in DAB+ wie in DVB-T oder DAB (das ist schon flächendeckend verfügbar!). Verwendet am ende halt keiner, aber egal. Wir sind die Guten(tm). Ich prangere das an!

    Und warum? Es muss ja einer an die Kinder denken?

    http://www.youtube.com/watch?v=Qh2sWSVRrmo

    Ach ne, nicht Kinder – Datenschutz. Sorry vali, aber wenn man nicht mehr weiter weiß, dann kommt man mit dem Datenschutz. Meine arme Daten! Dein Kampf für Datenschutz im Radio wird ähnlich erfolgreich verlaufen wie der bei Facebook. Akzeptiere jetzt erst mal, das die Leute durchaus damit leben können, wenn der Radiosender weiß wann sie einschalten. Mag für dich echt ein Weltuntergang sein, ist aber so – vor allem wenn man bedenkt, das man auch Internet-Radio anonymisieren kann. Aber Datenschutz ist ja immer ein schönes Vorzeigeargument.

    Wenn wir hier sie Gesetzlich zur Anonymen Nutzerstatistik verpflichten (DAS wäre eine Forderung für mehr Datenschutz) dann hätten wir einen großen Vorteil: Wir wüssten wirklich mal ob die Leute so massenhaft Fußball oder andern scheiß guggen.

    Kommen wir zu IP-TV: Ja holla die Waldfee, warum denkst du eigentlich, das TV überleben wird? Ich meine die Frage absolut ernst! Wie oft schaust du eigentlich noch Fern? Und ich meine damit, wie oft schaltest du ARD, ZDF, RTL etc ein? Und was davon ginge nicht übers Netz? Die Leute schauen jetzt schon ihre Lieblingsserien über Webstreams an, immer mehr Fernsehsender bieten das an. Internet-TV-Fähigkeit wird in immer mehr Fernseher eingebaut.

    Vodavone und Telekom haben TV-Boxen. Maxdome ist erfolgreich und wächst. Und Vali stellt sich hin und sagt: Das geht nicht, denk an die Bandbreiten (drölf!!). Sorry, denken wir immer noch in Zukunft oder verharren wir in der Gegenwart? TV so wie wir es kennen wird sterben: Das billig Produzierte könnte ich theoretisch eh bei YouTube bekommen und das besser Poduzierte stellen die TV-Sender auch ins Netz.

    Und was es nicht Legal gibt, besorgen sich die Leute illegal – aber den scheiß TV lassen sie dabei immer noch aus. Sicher, wir sind noch nicht soweit. TV ist noch nicht tot, aber wir wollen ja Politik machen: Zukunft und so!

    Und jetzt zum Satellit: Darüber haben wir gar nicht geredet, aber gut – ich lasse dich darauf rumreiten, damit du wenigstens irgendwo recht hast.